Jahrgang 
84 (1981) / N.S. 35
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dargeboten werden kann. Wie denn überhaupt die vielseitigen, gut fundierten Text-ausführungen durch die überaus zahlreichen( leider nicht numerierten) Abbil-dungen gut unterstrichen werden. Da ist also viel Fleiß auf ein vielleicht nicht rechtdankbares Thema aufgewendet worden.

Leopold Schmidt

Nina Gockerell, Stickmustertücher(= Kataloge des Bayerischen National-museums München, Bd. XVI) 106 Seiten, mit 128 Abb. und 8 Farbtafeln.München 1980, Deutscher Kunstverlag 1980. DM 42,-.

Manche Komplexe unserer Sammlungen werden sozusagen schubweisebehandelt. Viele, darunter nicht zuletzt Textilien, liegen oft sehr lange in denDepots. Erst wenn die Preise bei den Antiquitätenhändlern dafür steigen, werdenauch die Sammlungsleitungen auf ihre verborgenen Schätze wieder aufmerksam. Inbesseren Zeiten bekam man bestimmte Bestände regelmäßig geschenkt. So hat unserMuseum seine vielen Stick-, Strick- und Häkelmuster fast zur Gänze geschenktbekommen, besonders viele erst nach dem zweiten Weltkrieg. Nun, einige Teiledavon konnten gelegentlich verwendet werden, so beispielsweise die Stickmuster-tüchlein mit den Alphabeten. Von diesen haben wir einige in unsere Ausstellung,, Volk und Schrift. Geschriebene Gebet- und Gesangsbücher und andere ABC-Volkskunst vom 17. bis zum 19. Jahrhundert"( Wien 1971) aufgenommen.

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Dann hat Ulrike Zischka die ,, Stickmustertücher aus dem Museum für Deut-sche Volkskunde Berlin 1978 vorgelegt. Und nun folgt eben das Bayerische Natio-nalmuseum, das 1977 die Ausstellung ,, Gestickt- Gestrickt Gedruckt" zeigte,wozu nun auch dieser sehr schöne, ungemein reich illustrierte Katalog gehört. LenzKriss Rettenbeck zieht in seinem Vorwort dazu einen Vergleich dieses Text-materials mit den bemalten Möbeln. Auch seine Hinweise auf die durchaus mit denZeitumständen und Ansichtswechseln zusammenhängende unterschiedliche Bewer-tung dieser weiblichen Volkskunstschätze sind wie immer sehr beachtenswert,mögen sie auch über die vielfach doch eher geistig schlicht anmutenden Gebilde weithinausführen.

Leopold Schmidt

Norbert King, Mittelalterliche Dreikönigsspiele. Eine Grundlagen-arbeit zu den lateinischen, deutschen und französischen Dreikönigsspielen und-spielszenen bis zum Ende des 16. Jahrhunderts(= Germanistica Friburgensia3 A 3 B) 2 Bändchen, zusammen 274 Seiten. Universitätsverlag Freiburg inder Schweiz, 1979 sFr. 38,-.

Die in den Kirchen von Priestern in lateinischer Sprache aufgeführten kleinenSchauspiele des hohen Mittelalters gehören zu den wichtigsten Vorformen des reli-giösen Volksschauspieles. Sie sind in ganz ähnlichen Formen in ganz West- undMitteleuropa aufgeführt worden, eine beachtliche Zahl von Handschriften hat sieerhalten. Früh schon Gegenstand der Forschung, sind sie doch erst seit dem grund-legenden Werk von Karl Young, The Drama of the Medieval Church, 2 Bände,Oxford 1933, wirklich zugänglich geworden. Nicht umsonst ist dieses Grundlagen-

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