Jahrgang 
84 (1981) / N.S. 35
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Das hier schon mehrfach angezeigte Lexikon des Mittelalters ist mit der Kraft-leistung der beiden gleichzeitig erschienenen Lieferungen 9 und 10 beim Abschlußdes 1. Bandes angelangt. Das Lexikon hat sich innerhalb seines bisherigen Erschei-nens kräftig entwickelt, es sind viele Mitarbeiter dazugekommen, nicht zuletzt vonkulturhistorisch- volkskundlicher Seite, die das Lexikon in steigendem Ausmaß auchfür uns brauchbar gemacht haben.

Versucht man, die beiden letzten Lieferungen auch nur kursorisch zu über-blicken, so wird man finden, daß sie einige wichtige, auch umfangreiche Länder- undStädteartikel enthalten, so besonders über Bayern, Benevent, Berg( die Grafschaft),Bern und Besançon. An allgemein zusammenfassenden kultur- und rechtsgeschicht-lichen Artikeln wie an Beiträgen zur innerkirchlichen Geschichte seien besondersdie über das Beamtenwesen, die Bede, die Begharden und Beghinen, die Beichte( einschließlich Beichtpfennig, Beichtstuhl usw.), die Benediktiner und die Bettel-orden von großer Wichtigkeit. An Einzelartikeln wären vielleicht besonders hervor-zuheben: Becher, Beerenfrüchte, Begräbnis, Beinkleider, Beleuchtung, Bergbau,Bernstein, Beschwörung, Bett. Selbstverständlich gibt es auch hier quantitative wiequalitative Unterschiede, doch scheint im allgemeinen das Niveau der Beiträge rechthoch. Zu erwähnen bleibt, daß die Zahl der österreichischen Mitarbeiter offensicht-lich gewachsen ist. Vom Institut für mittelalterliche Realienkunde in Krems beteili-gen sich immer mehr Mitarbeiter, und von außerhalb sind zumindest Wacha undZelfel namhaft zu machen, die Beiträge für die vorliegenden Lieferungen zur Ver-fügung gestellt haben. Das alles macht das Bild, die Gesamterscheinung des wert-vollen Nachschlagewerkes bunter, die Artikel werden gewiß dadurch auch lesbarer.Eine gute, rasche Fortführung ist dem Werk wirklich zu wünschen.

Leopold Schmidt

Heidi Müller, Dienstbare Geister. Leben und Arbeitswelt städtischer Dienst-boten( Schriften des Museums für Deutsche Volkskunde Berlin, Bd. 6),Berlin 1981, Museum für Deutsche Volkskunde. 284 Seiten, mit zahlreichenAbbildungen.

Das Berliner Volkskundemuseum bemüht sich in den letzten Jahren sichtlich,Themen städtischer, bürgerlicher Art aufzuarbeiten. Ausstellungen über Kunst-blumen oder über Stickmustertücher mit entsprechenden Katalogen lassen dieseEntwicklung ablesen.

Nun hat Heidi Müller, von mehreren sorgfältigen Veröffentlichungen her wohl-bekannt, sich mit den Dienstboten beschäftigt, also einem praktisch ausgestorbenenMenschenschlag. Die Kapitel des Kataloges führen von den ,, Gesindeordnungen,der ,, Dienstbotenvermittlung bis zur Arbeitszeit und zu den Wohnverhältnissen,durchwegs Dinge, die um die Jahrhundertwende heftig umstritten waren. Es handeltsich im wesentlichen um Sozialfragen, und man würde eine solche Ausstellung aucham ehesten einem Sozial- und Wirtschaftsmuseum zubilligen. Aber es gibt docheinige Kapitel, die auch Verbindungen zur Volkskunde schaffen, die Ausführungenüber die ,, Lokale Herkunft", wobei in Berlin wieder einmal von den Ammen ausdem Spreewald die Rede ist, oder das Kapitel über die Kleidung der Dienstboten,das durch die zahlreichen Bildzeugnisse schon vom 18. Jahrhundert her anschaulich

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