Jahrgang 
84 (1981) / N.S. 35
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Der Band wird mit einer ausführlichen, von Ueli Gyr erarbeiteten Biblio-graphie Arnold Niederers beschlossen. Wer die Titel der zwischen 1950 und 1980erschienenen Arbeiten Niederers aufmerksam liest, wird sich von Person und Eigen-art des Forschers zweifellos selbst ein gutes Bild machen können.

Friedrich v[ on]. Zglinicki: Die Wiege, volkskundlich

Leopold Schmidt

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kulturgeschichtlich

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kunstwissenschaftlich- medizinhistorisch. Eine Wiegen- Typologie. Mit Ge-leitworten von Hans Asperger, Theodor Hellbrügge und Gerhard Jop-pich. Regensburg 1979.( Verlag Friedrich Pustet.) 419 S., 556 Abb., davon517 auf 232 Taf., Abb.- Kat., Bibliogr., DM 74,-.

Schon vor über 100 Jahren war die Kinderwiege Gegenstand der völkerkund-lichen Forschung( vgl. z. B. Heinrich Ploẞ, Das Kind in Brauch und Sitte derVölker, Bd. 1-2, Stuttgart 1876; ders., Das kleine Kind vom Tragbett bis zumersten Schritt. Über das Legen, Tragen und Wiegen, Gehen und Stehen und Sitzender kleinen Kinder bei den verschiedenen Völkern der Erde, Berlin 1881). ImMittelpunkt standen Ursprünge, Formen und Verbreitungsgebiete der Wiege beiden Natur- und Kulturvölkern der Welt. Innerhalb des deutschsprachigen Gebieteswurden die Wiegen erstmals im Rahmen der Volkskunst sowohl in den uns heute alsStandardliteratur der deutschen Volkskunst bekannten und gesuchten Werken vonOtto Schwindrazheim( Deutsche Bauernkunst, Wien 1904; Deutsche Volks-kunst in Einzeldarstellungen, Wiesbaden 1905 ff.), Konrad Hahm( DeutscheVolkskunst, Berlin 1923), Edwin Redslob( Deutsche Volkskunst in Einzeldar-stellungen, München 1923 ff.), Karl von Spieß( Bauernkunst, Berlin 1925) undHans Karlinger( Deutsche Volkskunst, München 1938) als auch in den meistender unzähligen lokalen und regionalen Volkskunstbüchern mehr oder weniger um-fangreich und sachkundig behandelt. Nicht mehr wegzudenken sind die Wiegen ausden inzwischen zur Flut angewachsenen Möbelbüchern, die ihnen im Reigen derbäuerlichen, ländlichen oder volkstümlichen Möbel schon weitaus mehr Bedeutungund Raum widmen( vgl. z. B. Bernward Deneke, Bauernmöbel, Ein Hand-buch für Sammler und Liebhaber, München 1969; Leopold Schmidt, Bauern-möbel aus Süddeutschland, Österreich und der Schweiz, Wien 1977). Volkskundlichmit der Wiege auseinandergesetzt hat sich jedoch erstmals gründlich TorstenGebhard in seinem kurzen, aber inhaltsschweren Aufsatz über VolkstümlicheKinderwiegen in Altbayern und Bayerisch- Schwaben in der Zeitschrift Bayeri-scher Heimatschutz, Jg. 31( München 1935), S. 1-6, in dem er in einem eng begren-ten Gebiet den Wiegenformen, den kulturgeschichtlichen Zusammenhängen undder Verbreitung nachging und sich nicht nur auf die reine Ästhetik beschränkte.Eigentlich bedauerlich, daß diese wichtige Arbeit selbst in die dritte Auflage desWörterbuchs der deutschen Volkskunde, Stuttgart 1974, in der Bibliographie unterdem Stichwort Wiege( S. 970) noch nicht Eingang gefunden hat!

Die Erforschung der Wiege muß", so Torsten Gebhard in seinem Aufsatz( S. 1) ,,, notgedrungen von eine enger umgrenzten Landschaft ausgehen, sie wirdaber erst nach und nach eine endgültige Lösung finden." Die Aufarbeitung klein-räumiger Untersuchungsgebiete hat das nun vorliegende Buch nicht abgewartet,

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