Jahrgang 
84 (1981) / N.S. 35
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regionaler Vielfalt und Anzahl wenig seinesgleichen hat. Umso erfreulicher ist es,wenn sich im vorliegenden Buch nun ein profilierter Volkskundler mit diesem reiz-vollen Zweig der Volkskunde befaßt und immer wieder die Grenzen seiner engerenHeimat Franken mit Beispielen in Text und Bild überschreitet. Umfang und Inhaltsind naturgemäß den üblichen, bekannten Bedingungen unterworfen, so daß Vielesnur angedeutet werden kann. Da mir eine ausgezeichnete Rezension von Univer-sitätslektor Wiss. Oberrat i. R. Dr. Emil Schneeweis vorliegt, die für den ORF ver-faßt wurde, möchte ich auf jene Merkmale hinweisen, die einem Volkskundler inbesonderer Weise ansprechen. So z. B. jene des Males an der Ortsgrenze vonMönchberg nach Rölbach( Spessart): Der Stein weist Wetzrillen auf. Diese rührendaher, weil man den Stein abkratzte im Glauben, daß dieser wundertätige Heil-kraft habe. Ein in der Volkskunde nur allzubekanntes Faktum, das allerdings nichtallein auf Steine beschränkt ist.

Sehr reizvoll ist auch die Gegenüberstellung der religiösen Male mit der moder-nen Technik. So zeigt die Abb. auf S. 22 einen Bildstock von 1782 mit dem Reliefder schmerzhaften Mutter von Dettelbach, wohingegen im Hintergrund die gigan-tischen Kühltürme des Kernkraftwerkes bei Grafenrheinfeld( LK Schweinfurt) be-drohlich aufragen: welch eine Symbolik! Auch das nächste Bild( S. 23) zeigt einFlurkreuz von 1744 sowie den riesigen Mast einer Starkstromleitung, die wohlStrom aus dem genannten Kernkraftwerk weiterleitet. Von ganz außerordentlicherBedeutung scheint mir der Hinweis zu sein, daß Versetzungen der Male in ge-wissem Sinne einen Frevel darstellen. Zumeist ist das Mal ja mit Absicht just andiesem Platze aufgestellt worden; Intention und Umgebung sind eben zusammen-gehörende Faktoren unserer Male. Man denke nur an die vielen Sühnemale, die imvorliegenden Buch sehr schön angesprochen werden.

Daß mehrfach der Druckfehlerteufel sein Unwesen treibt, kann allerdings demWert des Buches nicht viel anhaben; lediglich das Literaturverzeichnis könnte aus-führlicher sein. Auch ein Hinweis auf die vielen Aktionen zum Thema, wie etwa denBildstockwanderweg in Gobelsburg, der beispielhaft auf andere Orte wirkt, sowiedie z. T. sehr modernen Neuschöpfungen( Beton kommt ins Gespräch!).

Abschließend sei gesagt, daß man Verfasser und Verlag für dieses Buch dank-bar sein kann, stellt es doch in Form und Inhalt eine sehr wesentliche Bereicherungder einschlägigen Literatur dar, wobei insbesondere die Zeichnungen vonG. F. Koller dem Buch eine besondere Note verleihen.

Klaus Gottschall

Michael Belgrader, Das Märchen von dem Machandelboom( KHM 47).Der Märchentypus AT 720. Artes populares, Bd. 4) 353 Seiten, 1 Karten-skizze. Frankfurt am Mai 1980, Verlag Peter D. Lang.

Auf Dissertationen kann man im Rezensionsteil unserer Zeitschrift nichtimmer eingehen. Aber die vorliegende fleißige Arbeit, eine Doktordissertation beiLutz Röhrich in Freiburg muß doch wenigstens angezeigt werden.

Der Verfasser hat sich eines der schwierigsten und wichtigsten Märchen derGrimmschen Sammlung zum Thema genommen, ein Märchen, zu dem es schon sehr

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