Literatur der Volkskunde
Brüder Grimm, Kinder- und Hausmärchen. Ausgabe letzter Hand mit denOriginalanmerkungen der Brüder Grimm. Mit einem Anhang sämtlicher, nichtin allen Auflagen veröffentlichten Märchen und Herkunftsnachweisen hg. vonHeinz Rölleke. Bd. 1: Märchen Nr. 1-86(= UB 3191/5) DM 9,-.Bd. 2: Märchen Nr. 87-200. Kinderlegenden. Nr. 1-10. Anhang Nr. 1-28(= UB 3192/6) DM 10,80. Bd. 3: Originalanmerkungen, HerkunftsnachweiseNachwort(= UB 3193/7) DM 12,60. Stuttgart 1980, Verlag Philipp Reclam.Man möchte im allgemeinen doch glauben, daß es Ausgaben der GrimmschenMärchen zur Genüge gäbe. Aber wie vorliegendes Beispiel zeigt, ist eine sehr gut ge-plante, aber eigentlich schlichte und noch dazu preiswerte Ausgabe in der berühm-ten ,, Reclams Universal- Bibliothek“ doch noch etwas besonderes, bemerkens-
wertes.
Der schon vielfach mit diesen Märchen befaßte Heinz Rölleke von der Ber-gischen Universität Wuppertal hat hier zunächst und vor allem„, Grimm" heraus-gegeben. Die beiden Textbände, schlicht als Anhang die nicht in allen Ausgabenveröffentlichten Märchen, die man doch manchmal auch nachschauen will, und denganzen III. Band, also die„, Anmerkungen“, wie sie die Brüder 1856 zuletzt in3. Auflage herausbrachten. Sie sind bisher nicht ersetzt, auch durch den fünfbän-digen Bolte- Polivka nicht, den man aber selbstverständlich trotz seiner sprödenTextgestaltung immer wird heranziehen müssen. Rölleke hat als durchaus mög-lichen Ersatz für einen sonst ins unendliche anwachsenden Apparat ,, Herkunfts-nachweise" gegeben, einen schlichten, knapp gefaßten Kommentar, der aber alleswichtige, selbstverständlich auch die Typennummern usw. enthält. Zudem hat er die,, Beiträger und Vermittler der Märchen“, mit denen er sich schon mehrfach befaẞthat, in einer klaren Übersicht beigegeben, selbstverständlich ausführliche Literatur-hinweise, und schließlich ein lesenswertes Nachwort, das wiederum das Werk derBrüder in den Vordergrund stellt, sein Werden, seine Besonderheit. Wer sichweniger mit der Forschungsgeschichte als mit den Märchen selbst beschäftigen will,findet S. 583 ff. nach den KHM- Nummern geordnete Literaturhinweise, die vorallem die einzelnen Monographien zu den bisher in dieser Art untersuchtenMärchen aufzählen. Vielleicht ein wenig zu knapp, und nicht auf die mitunter dochsehr bemerkenswerten Hauptmotive eingehend, aber für den Handgebrauch ge-nügend. Es ist eine der Stellen in diesem an sich sehr brauchbaren Werk, an der man
255