Ein Bild der„ Bercht" um 1800
دوو
Von Friedrich Wilhelm Singer
( Mit 3 Abbildungen)
Die Welt der geschnitzten volkstümlichen Gebäckmodel umfaßt inlange überlieferter und abgewandelter Fülle einen ganzen Bilderkos-mos.¹) Auf rund fünfzig derartigen Holzplatten mit manchmal bis zuhundert figürlichen und szenischen Einzeldarstellungen im Fichtelge-birgsmuseum in Wunsiedel²) findet sich auch ein Motiv, von dem bisherkein vergleichbares Gegenstück aus anderen Sammlungen bekannt ist.In seiner Seltenheit steht es abseits der landläufigen Thematik.
Da sieht man einen gefesselten Mann in der für ihn zukurzen Mulde einer Häckselbank³) liegen. Sein überhängenderKörper versucht, sich aufzubäumen. Man erkennt die aufgekrempelten
¹) Richard und Klaus Beitl, Wörterbuch der deutschen Volkskunde, 3. Aufl.,Stuttgart 1974, S. 254, 259, brachten ca. 30 Titel Literatur über Gebäckmodel undGebildbrote.
2) Einen umfänglich erläuterten Katalog über Gebäckmodel im Fichtelgebirge-Museum Wunsiedel stellte Martina Richter zur 1. Prüfung für das Lehramt anVolksschulen im Fachgebiet Landes- und Volkskunde( Fach- Vertreter: Prof.Dr. Joachim Kröll) an der Universität Bayreuth 1981/ I zusammen. DerMuseums- Leiterin, Frau Dr. Renate Lotz, gebührt Dank, daß sie den hier be-sprochenen Model, Inv.-Nr. 3507, zugänglich machte.
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3) Dieses Gerät, mit dem Stroh zu Häcksel, Häckerling oder Gesott geschnittenwird, heißt im Fichtelgebirge( wie auch bei Schmeller, Bayer. Wörterbuch,I, 1094) gewöhnlich ,, Halmbank“. Im Modelbild erscheint es ohne das sonst üblichesensenblattförmige Messer. Über die Bedeutung des Schnittstrohs in der hier vor-geführten Szene vgl. Anm. 13.
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