ders., Atlas der Volkskunst und Folklore in Polen. Verlag D. W. Callwey,München. Arkady- Verlag, Warschau 1980. 279 S., Karten, 391 Abb. auf Tafeln.
In einer in Anbetracht seiner Provenienz aus einem Ostblockstaat erstaunlich underfreulich guten Aufmachung- auch was Druck und Bildmaterial anbelangt- liegt unsein Werk vor, das einen recht anspruchsvollen Titel trägt. In Form und eigentlichemKartenwerk etwa an einen handlichen Autoatlas erinnernd, ist es denn auch etwas ganzanderes, als was wir unter einem volkskundlichen Atlantenwerk verstehen. An derqualitativ, wie gesagt, relativ hochwertigen Ausführung dürfte wohl auch die Zusamme-narbeit mit dem renommierten Verlag Callwey ihre Früchte getragen haben. Diepolnische und die deutsche Ausgabe differieren nicht nur hinsichtlich der Seitenzahl, desim polnischen Buch vorhandenen Namens- und Literaturverzeichnisses, sondern bereitsrein äußerlich in der Wahl des Einbandbildes: die polnische Edition zeigt eineGartenlandschaft( vgl. Abb. 64), die nach unserer Auffassung mit dem Thema wenig zutun hat, wogegen die deutsche Ausführung ein Hinterglasbild mit dem beliebten Themades Sündenfalles reproduziert. Auch ist das zu rezensierende Opus keineswegs ,, die erstesystematische Zusammenstellung von Materialien, die zu dem überlieferten und sichentwickelnden Volkskunstschaffen in unserem Lande etwas aussagen"( Text auf demEinband); da haben wir denn doch eine bessere Meinung von der überreichen polnischenLiteratur zum Thema!
Der im heutigen Polen unerläßliche Bezug auf das zeitgenössische( oft von Staatswegen geförderte) Volkskunstschaffen( eine Abgrenzung ist hier ebenso wie beim Begriff,, Folklore" sowie gegenüber der Fremdenverkehrsindustrie schwierig, wenn nichtunmöglich) wird entsprechend gewürdigt, man denke nur an das Problem der ebenfallsbehandelten Gesangs- und Tanzensembles! Die Einleitung sowie die Übersichtskartenvermitteln auch dem einschlägig nicht Vorgebildeten einen informativen Einblick,wenngleich einzelne Formulierungen( S. 9) allzusehr die Diktion des derzeit herrschen-den Regimes beziehungsweise der von ihm kanonisierten Auffassung des Wissenschafts-gebietes ,, Ethnographie" erkennen lassen.
Den Hauptteil bildet der alphabetische Katalog der bearbeiteten Ortschaften. Hierhätte man sich außer der Angabe der Wojewodschaften einen näheren geographischenHinweis über die Lage gewünscht, sei es einfach durch Angabe der Himmelsrichtungoder wenigstens etwa durch„, Großpolen“,„ Kleinpolen“ oder ähnlich.
Der sichtlich sorgsam zusammengestellte Katalog bietet Hinweise auch aufObjekte, die sonst nicht eben angemessen berücksichtigt werden, wie etwa charakteristi-sche Werke der Volksarchitektur, worunter auch die in ihrer Vorbildfunktion sowichtigen kleinen Gutshöfe zu subsumieren sind; ebenso die infolge der unseligen,, Zeitgeschichte" so rar gewordenen Reminiszenzen der jüdischen Volkskultur.
Einige kleinere Fehler( ,, Grabmähler“) und spezielle Anliegen seien nur derVollständigkeit halber erwähnt:
Der Terminus ,, cerkiew" für eine im byzantinischen Stil und Ritus erbaute Kirchesollte erläutert werden, und der Definition der ,, Spinnen“( S. 22) ist insofern irreführend,als es sich dabei nicht um ,, Hängeleuchten" handelt, sondern um Deckengehänge oderMobiles.
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