Jahrgang 
84 (1981) / N.S. 35
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Einblick in die bedeutenden und eindrucksvollen Traditionen ländlichen Bauens in derSchweiz. Sieben weitere Kurzmonographien dieser Art sind bereits angekündigt.

Oskar Moser

Jenö Barabás, Nándor Gilyén, Vezérfonal népi épitészetünk kutatásához( Kleines Handbuch der[ ungarischen] Volksarchitektur). MüszakiKönyvkiadó- Budapest 1979, 185 Seiten, 174 Abbildungen( Zeichnungen), mitZusammenfassungen in Deutsch, Englisch und Russisch.

Seit der bekannten, Wegleitung von Baeschlin- Bühler- Gschwend( Basel 1948),T. Gebhards ,, Wegweiser" für Bayern( München 1957) und dem, Kwestionariusz fürPolen von J. Gajek( Breslau 1959) sind mir einige Handbücher" ähnlicher Zielsetzungauch aus England und Skandinavien etwa zur Hand gekommen. Das hier vorliegende zurVolksarchitektur Ungarns scheint jedenfalls dafür ein besonders gelungenes undvortrefflich fundiertes Beispiel zu sein, das von den neueren Bemühungen der ungari-schen Hausforschung auch für den Außenstehenden eindrucksvoll Zeugnis legt. Es isthübsch ausgestattet und zugleich handlich und erinnert äußerlich an G. GustafssonsSkansens handbok( Stockholm 1953). Ein erfahrener volkskundlicher Sachkenner undein Architekt haben sich hier zusammengetan, um dem Hausforscher ,, eine Grundlagefür ethnographische und technische Untersuchungen im Gelände zu liefern"( S. 169). Inder Tat ist die Instruktion umfassend und ganz auf die praktische Arbeit des Forschershin ausgerichtet. Die Verfasser gehen aber aus von der Erkenntnis, daß ,, zur Bewältigungder Feldforschung eine Zusammenstellung der wichtigen Problemkreise und Methodennützlicher als die vielfach üblichen Fragebogen sei"( ebda.).

Das Buch gliedert sich in sechs Abschnitte, beginnend mit Vorbereitungen und Quellenzur Feldarbeit( I) und mit der Behandlung der Probleme der Siedlungsforschung undSiedlungstechnik sowie der Flurformen( II). Der Abschnitt III befaßt sich mit denKriterien für eine Auswahl der zu untersuchenden Gebäude und führt zugleich an dieFragen der Feststellung des Baualters und der historischen Hausforschung heran. Esfolgen die Kapitel über die bautechnischen Einzelheiten( Wände, Decken, Dachwerk),über die Hausanlagen und Feuerstätten, die Außengestaltung mit Giebelformen undLaubengängen( ungar. tornác) sowie über Wohntypen der, armen Leute"( Höhlenwoh-nungen, Gesindewohnungen auf den Meierhöfen, Zigeunerhütten Glossar ::: zum Glossareintrag  Zigeunerhütten). Schließlich werdenauch die wichtigsten Wirtschaftsgebäude von Stall und Scheune bis zu Speicher undMühle und zu den typischen Glockenstühlen besprochen( IV). Hinweise auf Möglichkei-ten und Bedeutung einer Untersuchung der zum Abriß oder zur Übertragung bestimm-ten Bauten( Kap. V) und Anleitungen mit praktischen Ratschlägen für eine maßhältigeDokumentation einschließlich der Bilddokumentation schließen das Handbuch ab( VI).Nicht unerwähnt aber sei der Anhang mit einer sehr nützlichen Auswahlbibliographieund einem Verzeichnis etablierter und vorgeschlagener Fachtermini im Ungarischen alsGruppenindizes.

Besonders auch aus der österreichischen Nachbarschaft gesehen, bietet sich diesesVademecum der ungarischen Hausforschung zugleich als ein zuverlässiges Positionsin-strument mit vielen und gewichtigen Anknüpfungspunkten wie etwa bei den Hofanlagen,bei verschiedenen Bautechniken, Feuerstätten und den ungarischen ,, Rauchstubenhäu-sern( S. 74 f.), Putzgiebeln und Laubengängen, Scheunen und Ställen, Speicherbautenoder Heubergen( ungar. abora) dar. Jenö Barabás gibt dabei in allen Fällen auch durch

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