volkskundlichen Literatur bedient, wodurch besonders die religiöse Volkskunst, dasKerzen und Votivgabenwesen gut wegkommt. Die Keroplastik freilich, von denharmlosen Andenkenreliefs bis zu den anatomischen Lehrpräparaten und den Porträtfi-guren in den Wachskabinetten, stellt schon den Großteil der Bilder, und manches davonmag zumindest hierzulande recht unbekannt sein. Man mag anhand dieser in jederHinsicht oberschichtlichen Wachskunst die Meisterstücke der Lebzelter und ihrerModelschnitzer vielleicht etwas anders betrachten als sonst. Kann sein, daß die vielenDarbietungen von„ Viel köstlich Wachsgebild" in den letzten Jahren die allgemeineAnschauung des Gebietes etwas verharmlost haben. Da bietet diese fundierte Darstel-lung schon ein beachtliches Gegengewicht.
Leopold Schmidt
C. Weisser( Hrsg.), Bauernhäuser der Schweiz/ Aktion Bauernhausforschung inder Schweiz( Auszug aus der Schweizer Baudokumentation AXZ 110- AXZ 155),CH- Blauen( 1979), 12 bis 20 Seiten je Heft, Zeichnungen, Pläne, Karten undPhotos.
Die ,, Schweizer Baudokumentation" entschloß sich mit dieser unkonventionellenHeftbroschüre zu einem offenbar sehr wirksamen und doch relativ praktikablen undbilligen Weg einer Zusammenarbeit zwischen einem weiten und allgemeinen Kreis vonBauschaffenden und Bauinteressenten einerseits und der volkskundlichen Hausfor-schung andererseits. Sie publizierte 1968 bis 1975 gemeinsam mit der„ AktionBauernhausforschung in der Schweiz“ und mit wesentlicher Unterstützung durch derenLeiter Max Gschwend zehn Beschreibungen über die Bauernhäuser verschiedensterschweizerischer Hauslandschaften, die zunächst wohl als Einzelhefte im Umfang von 12bis 20 Seiten zur Erstinformation gedacht waren. Die durchwegs von Max Gschwendverfaßten und in Deutsch, Französisch und Italienisch aufgenommenen Texte sind mitPlänen, Riẞzeichnungen, Orientierungskarten und Fotos vortrefflich ausgestattet undstoßen schon wegen ihrer Handlichkeit und klaren, kurzen, aber sehr gediegenenInformation auf großes Interesse. Man entschloß sich daher, die bisher erschienenen zehnHefte auch zu einer Broschüre zusammenzutragen, die nunmehr einen guten undschnellen Überblick über die unglaubliche Vielfalt und Verschiedenheit ländlichenBauens in diesem Lande ermöglicht.
Zu den großen und neuen Aufgaben der Buchreihe der Schweizerischen Gesell-schaft für Volkskunde„ Die Bauernhäuser der Schweiz" ist das also eine willkommeneErgänzung, insbesondere auch für bisher dort noch nicht vertretene Schweizer Hausland-schaften wie Hochjura, Val d'Hérens, Genfer Becken, Simmental, Tafeljura oderAppenzell bzw. für zwei sehr wichtige, übergreifende alte Formenlandschaften derSchweiz, nämlich die sogenannten Hochstudhäuser des Mittellandes und die Fachwerk-häuser der Nordostschweiz. Die Einzelhefte behandeln jeweils nach einer allgemeinenEinführung in die Hauslandschaft die wichtigsten Gegebenheiten nach Material undKonstruktion, geben eine Beschreibung der„, Hausform" sowie der Inneneinteilung undder Raumfunktionen und verweisen auf die jeweiligen ,, Besonderheiten" im betreffen-den Hausbau. Sie schließen mit einer kurzen, gut ausgewählten Bibliographie zurjeweiligen Hauslandschaft. Bildausstattung und Layout wurden offenbar nach denErfahrungen der bisherigen Bände zur neuen Monumentalausgabe ,, Die Bauernhäuserder Schweiz" gestaltet und vermitteln auch dem Nichtfachmann einen vielseitigen
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