Jahrgang 
84 (1981) / N.S. 35
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Hans W. Stoermer, Zimmererkunst am Bauernhaus. Bayrisch- Alpines Bund-

werk. Mit einem Geleitw. v. Torsten Gebhard. Regensburg 1981( Verlag FriedrichPustet). 111 S., 71 Abb.( 17 Zeichnungen; 54 Photos, davon 1 Plan, auf 32 Taf.), 3Karten, Lit.- Verz., Reg., DM 24,80.

Nachdem erst vor kurzem ein schmales Büchlein von Armin Jüngling über DasBundwerk am Bauernhaus des Chiemgaus( Marquartstein 1978, Verlag Th. Breit,DM 13,50) herausgekommen ist, legt nun ein anderer heimatkundlich engagierter,, Sonntagsforscher"( wie ihn Prof. Dr. Torsten Gebhard bei der Buchvorstellung inMünchen am 27. 11. 1980 in Anlehnung an die anerkannten ,, Sonntagsmaler" treffendgenannt hat) ein Buch zum gleichen Thema vor, doch mit wesentlich erweitertemUntersuchungsgebiet, nämlich südlichem Oberbayern, Tirol, Südtirol und SalzburgerLand, also einem Teil des baierisch besiedelten Ostalpenlandes, weswegen dieBezeichnung( staats-) ,, bayrisch- alpines Bundwerk( vgl. Untertitel) nicht korrekt ist.Es werden besonders Herkunft, Verbreitung und Formen des Bundwerks( S. 11-18,33-47), ländliche Bauten mit Bundwerk( S. 22-32, 61–64, 97-99) und die Bundwerk-technik( S. 48-50) in bündiger Kürze behandelt, wobei sich der Autor weitgehendvorhandener Forschungsergebnisse bedient. Neu sind jedoch viele der von ihm meister-haft photographierten, hier erstmals veröffentlichten Bilder von Bundwerkgiebeln und-stadeln mit ihren Details, die der Bauernhausforschung außerordentlich dienlich sind.Für den gutgemeinten Exkurs in die Geschichte der Bundwerkprovinzen" ist imRahmen einer hauskundlich orientierten Arbeit nicht der richtige Platz. Das Kapitel, Von Zimmerern, Bauherren und Inschriften" bringt einige Marginalien zu dermenschlichen Seite des Bauens, sein Inhalt ist aber in der notwendigen Verkürzung aufwenige Quellen nicht allgemein gültig. Was der Autor über die Unehrlichkeit sagt( S.53), ist schlicht falsch. Der Abstand zwischen Menschen mit ,, ehrlichen und solchen mit,, unehrlichen" Berufen war nicht so groß wie der zwischen der moralisch und rechtlichdiffamierten Berufsgruppe und einer Räuberbande. Die unehrlichen Leute warenverfemt, verworfen, anrüchig, entrechtet, gemieden, ausgestoßen, aber keine Verbre-cher. Nicht ganz verständlich ist auch, warum die Häuser des Freilichtmuseums desBezirks Oberbayern an der Glentleiten und des Ostoberbayerischen Bauernhausmu-seums Amerang nicht innerhalb der Bundwerklandschaften, wohin sie ja gehören,sondern eigens behandelt worden sind. Trotz dieser Mängel ist das Buch lesenswert,vermittelt es doch einen ersten Einstieg und einen verständlich geschriebenen Einblick indas Bundwerk als eine im wesentlichen an unsere baierische Heimat gebundenebaulich- dekorative Besonderheit, in deren geistige Nachbarschaft auch der barockeZwiebelturm gehört!

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Helmut Sperber

Charlotte Angeletti, Geformtes Wachs. Kerzen, Votive, Wachsfiguren. Aufnahmenvon Helga Schmidt- Glaẞner. Großformat 185 Seiten, mit 289 einfarbigenund 20 vierfarbigen Abb. München 1980, Callwey Verlag. DM 79,.

Ein neues Werk über das geformte Wachs hat es neben den sehr umfangreichenVeröffentlichungen von Reinhard Büll nicht eben leicht. Aber die Verfasserin, amMünchner Stadtmuseum tätig, hat sich für ihre ausführliche Einleitung nicht zuletzt der

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