vierzigtausend als heilige Rundzahl wesentlich erscheint. Dort waren es 40.000 Widder,hier nun 40.000 Märtyrer. Es vermischen sich dabei Ereignisse der Akindschizüge von1529 und von 1532, die auch in den Türkenmotiven mancher österreichischer Wall-fahrtsorte( beispielsweise Sonntagsberg) nachklangen. Zu den militärischen Wunderge-schichten gehört noch ,, Das Wunder der Süleymanbresche“ von 1529, die von denTürken auch späterhin noch als„, Wahrzeichen“ ihrer Kampfkraft angesehen wurde. Eswaren Wunschvorstellungen der Belagerer, die auch in der Sage vom„ ÄgyptischenJüngling“ ihren Niederschlag fanden, die sich vielleicht vom Hauszeichen am PalaisHoyos hinter der Löbelbastei ableitete. In dieser Richtung gehört auch die GeschichteWarum das alte Tor der Festung Wien vermauert ist“, die sich die Türken vomKärntnertor erzählten. Nicht auf türkische Wunschvorstellungen, sondern auf eine wahreBegebenheit geht dagegen die Sage vom ,, Standbild des Deli Seyyidi Pascha" zurück. Dieaitiologische Erklärung einer barocken Barbarastatue in der Leopoldstadt scheint dabeieine Rolle gespielt zu haben.
Das gute Buch Teplys ist erfreulicherweise auch mit mehreren( 16) Abbildungenausgestattet, sowohl zeitgenössischen Darstellungen der Stadtbefestigungen und desNeugebäus als auch Farbbildern der jeweiligen ungarischen und türkischen Kriegertrach-ten mit ihren auf Furchterregung eingestellten Attributen. Auch von den vielen WienerHauszeichen mit Türkendarstellungen findet sich eines, der ,, Türke zu Pferd“ vom HausWien I, Schottenhofgasse 1( demoliert). Mehr an derartigen Türkenerinnerungen wurde1978 in dem vorzüglichen Notring- Almanach„ Die Türken, und was von ihnen blieb"geboten.
Teply hat also der Sagenforschung eine wohlkommentierte Sammlung der kompli-zierten und vieldeutigen türkischen Überlieferungen zur Verfügung gestellt, die man alsausgesprochenen Fortschritt auf unserem Gebiet bezeichnen kann. Eine beispielgebendeLeistung.
Leopold Schmidt
Olaf Bockhorn( Hrsg.). Nestelberg. Eine ortsmonographische Forschung. Wien1980.( Veröff. d. Inst. Vkde. d. Univ. Wien 8)( Selbstverlag.) 273, 84( unpag.)S., 279 Abb.( 247 Zeichn. u. Pläne, 32 Fotos) auf 73 Taf., 31 Tab., 2 Diagr.
Die Veröffentlichung fundiert erarbeiteter, alle Bereiche des täglichen Lebensumfassender, volkskundlicher Ortsmonographien ist nicht gerade an der Tagesordnung.Die bekannteste und sowohl in ihrem Umfang als auch in ihrem Tiefgang wahrscheinlichnie wieder erreichbare Ortsmonographie ist die über das ungarische Dorf Átány( EditFél/ Tamás Hofer), die einzige bei uns in Bayern über das niederbayerische DorfSt. Englmar( Günther Kapfhammer). Mit zehnjähriger Verspätung erscheint jetzt einegewichtige ortsmonographische Arbeit über das niederösterreichische Dorf Nestelberg inForm eines Sammelbandes, an dessen Entstehung zehn Wissenschaftler beteiligt sind, diehier mit ihren Aufsätzen kurz aufgezählt seien: Olaf Bockhorn( Vorwort; S. 7);Károly Gaál( Nestelberg, Zur traditionellen Kultur einer Holzfällersiedlung; S. 9-16);Herbert Killian( Die Kolonisation und Rodung des Ötschergebietes; S. 17-42, 11Tab.); Heinz Karl Stark( Kulturdiffusion und Sprachwandel; S. 43-105, 1 Zeichn., 15Tab.); Franz Schmidt( Landwirtschaft als Nebenerwerb; S. 107-126, 12 Fotos); ErichPauer( Formen aneignender Wirtschaft[ Sammeln, Verwerten, Domestizieren];
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