Jahrgang 
84 (1981) / N.S. 35
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Selbst seine Romane und Novellen und zahlreichen Kleinerzählungen trugen seinen ganzpersönlichen Stempel.

Davon ist in zahlreichen Nachrufen die Rede gewesen. Daß Springenschmid alsnoch junger Lehrer ein vorzügliches Buch zur alpenländischen Volkskunde geschriebenhat, das scheint ziemlich vergessen zu sein. Dabei ist sein 1926 erschienenes, Bauern-kind"( bei R. Oldenbourg, München und Berlin, 135 Seiten) doch ein Volltreffergewesen: Das Thema des Aufwachsens des bäuerlichen Kindes auf einem Salzburger Hofist seither nie mehr aus der alpenländischen Volkskunde und Schriftstellerei verschwun-den. Springenschmids Nachfolger hatten nur nicht seine selbstsichere positive Einstellungzu Menschen und Dingen; so mancher Mir- geht's- schlecht- Meier hat in den letztenJahrzehnten mit den Lamentationen über seine triste Kindheit unberechtigtes Aufsehenerregt. Aber die Qualität von Springenschmids Bauernkind" hat schon MichaelHaberlandt einstmals( Wiener ZV, Bd. XXXIV, 1929, S. 130) rühmend hervorgehoben.Man sollte den vielleicht in anderen Zusammenhängen umstrittenen Verfasser in derGeschichte unseres Faches weder übersehen noch vergessen.

Leopold Schmidt

Ludwig Bieler+

Am 2. Mai 1981 ist Prof. Dr. Ludwig Bieler in Dublin gestorben. Der hochgelehrteForscher wurde in Wien am 20. 10. 1906 geboren und hat an der Wiener Universität vorallem bei Ludwig Radermacher Klassische Philologie studiert. Entsprechend der NeigungRadermachers zur Volkskunde hat er sich auch mit diesem Gebiet befaßt, undbeispielsweise für das Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens die beiden umfang-reichen Artikel Schatten"( HDA IX, 2, Sp. 126 ff.) und Spiegel"( HDA IX, 2, Sp.547 ff.) verfaßt. Seine Habilitationsschrift galt dem, Theios anèr; das Buch über ,, DasBild des, göttlichen Menschen' in Spätantike und Frühchristentum erschien in Wien1935 und wurde bemerkenswerterweise 1967 neu aufgelegt. Inzwischen hatte sich Bielerals Mitarbeiter der Kirchenväterkommission der Österreichischen Akademie der Wissen-schaften noch weiter mit einschlägigen Themen befaßt und unter anderem über,, Silberstäbe als Weihgeschenk"( Anzeiger der Akademie, Phil.- Hist. Kl., 1931, H. 1-3)geschrieben. 1938 verließ er seine Stellung an der Akademie und an der ÖsterreichischenNationalbibliothek, ging nach Irland, und kehrte nie mehr auf Dauer zurück. Er wurdeProfessor der spätlateinischen Philologie und Paläographie am University College inDublin, und hat sich dort vor allem mit der Legende des hl. Patrick beschäftigt. Seine inJahrzehnten erworbenen Kenntnisse über das alte Irland hat er gelegentlich in einemreich bebilderten Buch Irland. Wegbereiter des Mittelalters", Olten- Lausanne- Frei-burg 1961, dargetan. Als auswärtiges korr. Mitglied der Österreichischen Akademie derWissenschaften ist er ganz selten und spät noch einmal nach Wien gekommen, lebendesZeugnis einer sehr großen Kennerschaft. Nun ist er in seiner zweiten Heimat Irlandgestorben und wird von allen, die ihn noch gekannt haben, ehrlich betrauert werden.

Leopold Schmidt

193