Volksleben und geistige Volkskulturim Merkensteiner Gedenkbuch
von Hiltraud Ast
Noch vor Ende des Türkenjahres 1683 begann der Pfleger derniederösterreichischen Herrschaft Merkenstein, Johann Laister, einGedenkbuch anzulegen, das nach zweiunddreißigjähriger Amtszeit vonseinen beiden Nachfolgern bis zum Jahre 1768 fortgeführt wurde¹).Wenn man diese 500 Doppelseiten umfassende Handschrift kennenge-lernt hat, kann man den hier als Pfleger wirkenden vielseitigenMännern Anerkennung nicht versagen. Am meisten wohl jenemJohann Laister, der seine Aufzeichnung mit einer Zusammenstellungder wenigen Untertanen beginnen muß, die den„ Türkenrummel"überlebt haben, und der mit Umsicht, Konsequenz und Strenge, mitCharakterfestigkeit gegenüber seinen Vorgesetzten, aber einem war-men Herzen für die ihm Anvertrauten diese böse Nachkriegszeitgemeistert hat.
Den größten Teil der Handschrift nehmen Konzepte von Briefenein, meist gleich mit den darauf erhaltenen Antwortschreiben. Fernersind die Verfahren der niederen Gerichtsbarkeit hier protokolliert unddie eingegangenen Strafgelder vierteljährlich verbucht. Außerdemmacht es der Verlust älterer Urkunden im Türkenkrieg notwendig,diese nach mündlicher Überlieferung oder nach in Wien erhaltengebliebenen Abschriften ins Gedenkbuch einzutragen und so für denDienstgebrauch zugänglich zu machen.
¹) Das Merkensteiner Gedenkbuch wird unter der Signatur 976 im Haus-, Hof-und Staatsarchiv aufbewahrt. Der volle Text des Titelblattes lautet: ,, Gedenk- ProtokollBey der Hochfürstlich Dietrichsteinschen Herrschaft Mörkhenstein, so durch Mich,Johann Laister, Verwalter, Nach Belagerung Wienn im 1683isten Jahre aufgerichtetworden". Unterschrift: Pfleger und Landgerichtsverwalter. Der Amtssitz der Grundherr-schaft Merkenstein war Gainfarn.
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