Zur Egils Saga Einhenda
Von Rudolf Simek
Die Egils saga einhenda ok Ásmundar berserkjabana¹) ist eineFornaldarsaga, die bis jetzt in der einschlägigen Literatur so gut wievöllig vernachlässigt worden ist. Nur Lagerholm in der Einleitung zuseiner Edition der Saga 19272) und kürzlich zwei Artikel über dasPolyphem- Motiv³) widmen dieser Saga mehr als nur einen Absatz.Dafür ist sicherlich mitverantwortlich, daß sie seit Lagerholm nicht als,, echte" Fornaldarsaga betrachtet, sondern wegen der märchenhaftenElemente als Lügensaga abqualifiziert wurde4), wenn sie auch imVergleich mit noch„ schlechteren“ späten Fornaldarsögur als abwechs-lungsreicher hervorgehoben wird³). Daß ihr Autor, wie auch die vonanderen Fornaldarsögur, nicht nur ältere Sögur verschiedener Katego-rien ausgiebig verwendet und mit Themen der Übersetzungsliteraturverbrämt hat, sondern daß auch Volksmärchen als Basis bei derEntstehung der Saga einen Anteil gehabt haben müssen, ist keine neueErkenntnis: In der Einleitung zur Ausgabe der E. A. stellte Lagerholmfest, daß die Rahmenerzählung der Saga hauptsächlich vom Märchen-motiv der entführten Königstöchter zehrt, worauf dann die Handlung
¹) ,, Die Saga vom einhändigen Egil und vom Berserkertöter Asmund", in derFolge als E. A. abgekürzt.
2) Ake Lagerholm( Hg.): Drei Lygisögur. Halle 1927(= ASB 17).
3) Donald Fry: Polyphemus in Iceland. In: The Fourteenth Century, Acta IV( 1977), pp 65-86; Hans- Peter Naumann: Das Polyphem- Abenteuer in der altnordischenSagaliteratur. In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde 75( 1979), pp 173–189.
4) Lagerholm, a. a. O. p XVII.
5) Jan de Vries: Altnordische Literaturgeschichte. 2. Bd. 2Berlin 1967, pp 541 f;Lagerholm, a. a. O. pp XXII f.
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