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Die Hutterer ein Stück alteralpenländischer Kultur in der neuenWelt
von Rolf Wilh. Brednich
Nordamerika gilt dem Europäer gemeinhin als der große Schmelz-tiegel der Völker, der melting pot, in den sämtliche Einwanderernach kurzer Zeit eingeschmolzen wurden, um eine neue amerikanischeEinheitskultur zu formen. Bei genauerem Zusehen trifft dieses Bild,das geläufigen Klischeevorstellungen folgt, jedoch nicht ganz zu.Gerade das amerikanische Bicentennial im Jahre 1976 hat auchunter Europäern den Blick für die Mosaikhaftigkeit der amerikani-schen Kultur geschärft, und neuerdings beschäftigt sich die Forschungin mehreren anthropologischen Disziplinen besonders mit diesemProblem der ethnicity und dem Beitrag u. a. der verschiedeneneuropäischen Bevölkerungsgruppen, die das kulturelle Gepräge Nord-amerikas mitgestaltet haben. Was den deutschsprachigen Anteilbetrifft, so ist die Gruppe der sog. Amish in Pennsylvania, die einervollkommenen Akkulturation bisher erfolgreich widerstanden haben,hierzulande relativ gut bekannt. Es handelt sich um extrem glaubens-strenge und konservative Mennoniten, die im 18. Jh. aus Südwest-deutschland auswanderten und sich als Angehörige einer ethnischenund religiösen Sondergruppe von der Kultur des Gastlandes bewußtabsonderten. Im vorliegenden Beitrag soll von einer ähnlichen religiö-sen Gemeinschaft in Nordamerika gehandelt werden, die von ihremUrsprung her jedoch wesentlich älter ist und deren Wurzeln nach Tirolzurückreichen.
Die hutterischen Brüder oder Hutterer, von denen die Redesein soll, führen ihren Ursprung auf jenen Tiroler Hutmacher JakobHutter zurück, der am 25. Februar 1536 als Ketzer und Wiedertäufer
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