Jahrgang 
84 (1981) / N.S. 35
Einzelbild herunterladen
 

Hansjakob Achermann, Die Katakombenheiligen und ihre Translatio-

nen in der schweizerischen Quart des Bistums Konstanz(= Bei-träge zur Geschichte Nidwaldens, Heft 38). 317 Seiten, 19 Tafeln. Stans 1979,Verlag Historischer Verein für Nidwalden.

Vor einem Vierteljahrhundert, nämlich 1954, hat Ernst Baumann in derFestschrift für Gustav Gugitz über den in Muri verehrten Katakombenheiligen Leontiusgeschrieben. So ist es wohl angebracht, nunmehr auf eine ausführliche Dissertationhinzuweisen, die das ganze Gebiet der in der Schweiz verehrten römischen Katakomben-heiligen behandelt. An sich kein neues Thema, der große Reliquienforscher ErnstA. Stückelberg hat schon 1907 ein eigenes Buch, Die Katakombenheiligen derSchweiz" geschrieben. Aber bei solchen kirchen- und kulturgeschichtlichen Themenergeben sich doch offenbar immer noch neue Materialien, und diese hat Achermann sehrsorgfältig und ausführlich ausgearbeitet.

Seine Dissertation überblickt zunächst die Erwerbung der aus den römischenKatakomben geborgenen Skelette und beschäftigt sich dann besonders mit der, Transla-tion", der theatralisch feierlichen Überbringung dieser Reliquien. Von der Illation"über die ,, Verifizierung bis zur eigentlichen Translation ging der Weg, den dabeiabgehaltenen Feierlichkeiten mit ihren Prozessionen und Schauspielen gilt der Hauptab-schnitt. Das ist also gleichzeitig ein wesentlicher Beitrag zum barocken geistlichenSchauspiel vor einer großen Öffentlichkeit, wobei auch viel an Prozessionsordnungenund Texten geboten wird. Ein Schlußkapitel ist der Verehrung der auf diese Weise insAlpenland gekommenen Märtyrerreliquien gewidmet, wobei die jährlichen Märtyrer-feste ebenso wie die Katakombenheiligen als gelegentliche Streitobjekte dargestelltwerden. Mit den genauen Tabellen( Katakombenheiligen in den Männerklöstern,Festtage der Katakombenheiligen, Jubeltranslationen der Reliquien und Übersicht überErwerbung und Translation derselben) und dem reichen Literaturapparat stellt das Buchalso eine gewissenhafte Erarbeitung seines Themas dar.

Leopold Schmidt

131