Die Ausstattung ist schlechterdings vorbildlich. So feinfühlig sind Flugblattdruckeund Handschriften noch kaum je in die gedruckten Spalten eingeordnet worden. Daswird im ganzen ein bibliophiles Werk, wie es unser Fach noch nicht sehr oft gehabt hat.
Leopold Schmidt
Mohammed Rassem, Die Volkstumswissenschaften und der Etatismus.Zweite, um einen Anhang vermehrte Auflage. 132 Seiten. Mittenwald 1979,Mäander Kunstverlag.
Die Neuauflage einer Dissertation nach dreißig Jahren ist zweifellos eine Selten-heit. Aber das gescheite Buch des Salzburger Professors, einstmals auch in unsererZeitschrift( ÖZV 57, 1954, S. 158) angezeigt, würde auch heute eine weitere Kenntnis-nahme und Verbreitung verdienen. Die Neuauflage enthält einen wichtigen Anhang, indem die inzwischen erschienene weiterführende Literatur verarbeitet ist. Da liest manmanchen kurzen Absatz mit mehr Gewinn als sonst einen langen Aufsatz.
Bibliographisch wäre anzumerken, daß Mohammed Rassem im gleichen Mäander-Verlag 1978 das einstmals berühmte Buch von Alois Riegl, Hausfleiß und Hausindu-strie, mit einem Nachwort neu herausgegeben hat.
Leopold Schmidt
Ottmar Odty Uhlig, Bierkrugdeckel. Kleinkunst auf Porzellan- Medaillons. Groß-oktav 96 Seiten, 42 Bildseiten, davon 24 Seiten farbig. Rosenheim 1980,Rosenheimer Verlagshaus Alfred Förg. DM 55,-.
Man wird kaum sagen können, daß die Porzellanmalerei volkstümlicher Art, diesich vor allem auf Pfeifenköpfen und Bierkrügeldeckeln erhalten hat, zu den wertvollstenKulturdenkmälern des 19. Jahrhunderts gehört. Aber zu den bezeichnenden doch wohl,und das in mehr als einer Hinsicht. Und wie alle Gebrauchskunst sind diese ,, Porzellan-Medaillons", also die Einsätze in die zinnernen Krugdeckel, sehr wenig beachtet worden.Privatsammler haben manchmal ganze Serien davon erhalten, von denen man selbstver-ständlich nichts weiß. Die Museen haben manchmal solche Kollektionen erworben, unserMuseum in der Laudongasse beispielsweise an die 1.000 Stück, was für den Rezensenten,der sie einstmals inventarisiert hat, doch einen beachtlichen Einblick in die Gruppeergab.
Für manche Themen, etwa Almleben, Volksmusik, Tanz u. ä. waren daraus dochBelege zu gewinnen. Ich habe in meinem Beitrag zur Volksliedforschungsgeschichte,, Zwischen 1819 und 1889"( Österreichische Musikzeitschrift, Bd. 24, Wien 1969,S. 526 ff.) mit einigen Text- und Bildbeispielen darauf hingewiesen. Und einige Beispieleaus dem Bestand des Linzer Stadtmuseums konnte ich in dem Büchlein ,, Bierkrugdeckel- ernst bis heiter", Linz 1970, vorlegen. Jetzt hat ein Sammler, der sich aber auch aufandere Bestände stützen konnte, diesen großformatigen Band mit ungefähr 350Abbildungen herausgebracht, die selbstverständlich einen viel größeren Querschnittbieten. Er hat den Bestand nach den Bildmotiven angeordnet: Von ,, Blumen undFrüchten" über„ Handwerker- und Berufszeichen“ oder auch„ Religiösen Darstellun-
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