Wolfgang Häusler, Land zwischen Donau und Schöpfl. 297 Seiten, 35 Abb. aufTafeln, mehrere III. im Text. Wien 1980, Verlag Jugend und Volk.
Seit einigen Jahren arbeitet ein jüngerer Wiener Historiker, Wolfgang Häusler vonder Lehrkanzel Adam Wandruszka, an einer vertieften historischen Landeskunde vonNiederösterreich. Er hat 1978 sein durch und durch erwandertes Buch ,, Melk und derDunkelsteiner Wald" herausgebracht( siehe ÖHZ XXXIV/ 83, 1980, S. 2 ff.) ImMontecuccoli- Gedenkjahr hat er an dem inhaltsreichen Katalog zu der verhältnismäßigkleinen Ausstellung in Hafnerbach mitgewirkt( Raimund Montecuccoli. HistorischeGedächtnisausstellung. Veranstaltet von der Marktgemeinde Hafnerbach in Zusammen-arbeit mit der Kulturvereinigung ,, Die Dunkelsteiner". Hafnerbach 1980), und dafür dieKapitel über Geschichte der Burg und Herrschaft Hohenegg„ Die Entdeckung undErforschung der Ruine Hohenegg von der Romantik bis zur modernen Burgenkunde",und, für die Volkskunde von besonderem Interesse,„ Der Zenokult von Hafnerbach undseine Förderung durch die Familie Montecuccoli" beigetragen.
Sein neues Buch umfaßt ein etwas größeres Gebiet, nämlich die Landesmitte vonder Donau zwischen Melk und Tulln nach dem Süden bis in den westlichen Wienerwald.Es handelt sich dabei um ein vor allem bäuerliches Land, das vielleicht durchArchäologen und Burgenforscher besser erschlossen ist als durch Vertreter der Volks-kunde. Häusler, der die Landschaft sehr genau kennt und sie nicht nur in geschichtlicherHinsicht, sondern auch als Freund der Geologie und der Mineralogie sich erwandert hat,gibt zunächst ein erstes Hauptkapitel über Landschaft und Geschichte, also von denMammutjägern bis zu Walther von der Vogelweide, der ja gerade hier, in Zeiselmauer imJahr 1203, ein einziges Mal urkundlich bezeugt erscheint.
Das nächste Hauptkapitel umfaßt Wanderungen zwischen der Donau und deminneren Wienerwald. Also Geschichte und Kunst in Tulln, das immer wieder bemerkens-werte Traismauer, Stift St. Andrä an der Traisen, die so bemerkenswerte und dennochganz verborgene Wallfahrt Heiligenkreuz- Gutenbrunn und was es sonst hier an zum Teilrecht ,, versunkener Pracht" gibt. Häusler vergißt wohl keinen Fleck dieser heimatlichenErde, also das Bauernland um Rust und Heiligeneich ebensowenig wie die Wüstungenvon Langenlebarn und entlang der Donau. Daß daneben bedeutende Menschen in dieserLandschaft wenigstens zeitweilig gelebt haben, also Schubert ebenso wie Emil JakobSchindler oder auch Josef Weinheber, wird selbstverständlich betont. Vielleicht hätteman die Bedeutung von Ferdinand Andri für Jeutendorf noch herausarbeiten können.Aber die meisten seiner Zeichnungen vom Bauernwesen der Gegend liegen wohlunveröffentlicht in den verschiedenen Sammlungen.
Es ist völlig selbstverständlich, daß sich Häusler kenntnisreich bemüht, auch dievolkskundlichen Aufschlüsse heranzuziehen. Siedlungs- und Hausforschung hat erdementsprechend berücksichtigt. Bei den Sagen und einigen Brauchaufzeichnungenmußte er wohl bei dem stehenbleiben, was kleinste lokale Aufschreibungen oder aucheigene Beobachtungen ergaben. Solche Einzelzüge lassen sich aber wie die Hausformenund anderes auch in die jeweiligen größeren Zusammenhänge einordnen. So bringtHäusler S. 161 für die Einzelhöfe des oberen Perschlingtales den Wanderschwank vomvertauschten Sarg, hält ihn aber nur für einen„ makabren Spaß“, weil ihm die Literaturdazu, also besonders Leopold Kretzenbacher, Der steirische Schwank vom falschen Sarg( Blätter für Heimatkunde, Bd. 32, Graz 1958, S. 77 ff.) nicht bekannt war. Die
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