Literatur der Volkskunde
Georg Schreiber, Deutsche Weingeschichte. Der Wein in Volksleben, Kult undWirtschaft( Werken und Wohnen. Volkskundliche Untersuchungen im Rhein-land, Bd. 13.). Großformat 534 Seiten, zahlreiche Abb. Köln 1980, Rheinland-Verlag GmbH. DM 86,-.
Prälat Schreiber( 1882-1963), Kanonist, Professor an der Universität Münster,Jahre hindurch Mitglied des deutschen Reichstages, war eine Persönlichkeit vonbesonderem Zuschnitt. Der vielseitige, juristisch und historisch interessierte Theologe,fand zu Ende der zwanziger Jahre einen Zugang zur Volkskunde, der er, zumal der vonihm geradezu mitgegründeten Religiösen Volkskunde, Schriftenreihen und ein eigenesJahrbuch schuf. Vielseitig angeregt, aber nicht minder anregend, trieb es ihn geradezu,von seinem ganz persönlich geschaffenen Institut in Münster aus der Volkskunde Gebietezu erschließen, die ihm bisher vernachlässigt oder auch nur einseitig erschlossenerschienen. In diesem Sinn etwa widmete er sich der Bergmannsvolkskunde, der er nochim Alter ein wichtiges Werk ,,, Der Bergbau in Geschichte, Ethos und Sakralkultur"( 1962) schenkte.
Das vorliegende Weinbuch, erst 17 Jahre nach dem Tod des Verfassers erschienen,nimmt eine ähnliche Stellung einerseits im Gesamtwerk Schreibers, anderseits in dervolkskundlichen Publizistik ein. Viele jahrzehntelange Vorstudien sind da ebensohineingeflossen wie junge und späteste Anregungen auch. Das Gesamtthema, sozusageneine gewaltige kulturhistorisch- volkskundliche Umschreibung des Leitwerkes„ Ge-schichte des Weinbaues" von Friedrich Bassermann- Jordan( 1923, Neudruck1975), ließ sich kaum bändigen. Schreiber fand immer neue Ausblicke, folgte immerneuen Anregungen, nicht zuletzt solchen des Innsbrucker Rechtshistorikers NikolausGrass, der sich nach Schreibers Tod auf das verdienstvollste dem nachgelassenenManuskript widmete. Durch ihn sind auch zahlreiche Mitteilungen aus dem Gebiet derösterreichischen Weinvolkskunde, so manche Hinweise auf Bildwerke und Museumsbe-stände aus diesem Bereich in das Werk eingegangen und haben es nachhaltig bereichert.Es wären sicherlich noch viel mehr geworden, wenn dadurch nicht das ohnehin schonsehr umfangreiche Manuskript zur Veröffentlichung einfach zu mächtig geworden wäre.Der nunmehrige Herausgeber, Gabriel Simons vom Amt für rheinische Landeskundemußte schließlich eine gekürzte Fassung herstellen lassen, die aber doch einerseits denunverkennbaren Stil von Schreiber noch durchaus erkennen läßt, anderseits auch dieArbeitsleistung von Nikolaus Grass wenigstens einigermaßen zur Geltung bringt. Grass
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