Jahrgang 
84 (1981) / N.S. 35
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Siebenbürgen aus nach der Moldau zu überquert hatte4). DieserDeutsche brachte einen Korb mit, in dem er ziemlich große Puppenhielt. Die bewegte er hinter einem Wandschirm, der aus einemHolzskelett bestand, das mit Leinwand überspannt war. Er bewegte diePuppen oberhalb des Wandschirms, so wie es die rumänischen Puppen-spieler späterhin mit Vasilache und Marioara bei den Panaramas taten.Die Puppen des Deutschen waren gut gemacht. Sie waren ziemlich großund stattlicher als jene auf dem Moşi. Sie stellten Menschenköpfe mitnärrischen Gesichtern dar; sie hatten, um Lachen zu erregen, entwederden Mund oder die Nase oder die Ohren anders als solche gewöhnlichaussehen. Der Deutsche hatte viele Puppen. Jede Puppe stellte einenTyp dar. Die Komik entsprang nicht nur der grotesken Figur derPuppe, sondern auch der entstellten Sprechweise des Puppenspielers.Die Alten am Ende des vorigen Jahrhunderts entsannen sich noch desdeutschen Puppenspielers, der seine Puppen in einem großen Korb trugund sie bei den Panaramas und in den Kaffee- und Wirtshäusernvorführte. An Markttagen oder an Tagen, an denen Jahrmärkteabgehalten wurden, richtete er sein mit Sackleinen überzogenes Gestellirgendwo auf einem unbebauten Grundstück auf, und sogleich sam-melte sich die Menge um dasselbe, um über seine grotesken Puppenund sein verstümmeltes Gerede zu lachen. Der Deutsche brachte dieIdee, die Ausdrucksform, die Entfaltung und den Inhalt des Schau-spiels. Mit der Zeit arbeiteten die rumänischen Puppenspieler IonPăpușaru, Ion Hanganu, Vasile Drăgan, Ilie Păpușaru u. a. den Textdes Deutschen in einheimischem Geiste um; sie nahmen Änderungenauch an den Puppen an sich, d. h. an ihren Figuren, vor. In ihrer neuenForm waren diese anfangs in Iassy und anderen Städten zu sehen; vonhier gelangten sie dann in die Dörfer, denn die Puppenspieler machtenTourneen in der Moldau. Als unabhängiges Schauspiel war dasPuppenspiel bis tief ins 20. Jahrhundert zu sehen. Es ist nicht möglich,den Einfluß der Panaramas gegen jenen der Puppen abzugrenzen, dieder Deutsche gebracht hatte. Das Fehlen schriftlicher Beweisstückemacht es uns unmöglich, genau anzugeben, was die späteren Puppen-spieler von den Panaramas übernahmen, die im Lande Tourneenmachten, und was von den Vorstellungen, die der obengenannteDeutsche gab. Es scheint, daß in Iassy die Puppen des Deutschen einlängeres Leben hatten. Hier zog man mit ihnen das ganze 19. Jahrhun-dert hindurch umher. Man zog mit diesen Puppen im Winter an denFeiertagen, zur Karnevalszeit, und im Frühling zu Ostern umher;natürlich nur am Sonntag, aber ohne irgendwelche Verbindung mit

4) Theodor Burada, Istoria Teatrului în Moldova( Geschichte des Theaters inder Moldau), I, Iaşi, 1915, S. 35.

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