Jahrgang 
84 (1981) / N.S. 35
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Das rumänische Volkspuppenspiel

Von Horia Barbu Oprișan

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Das rumänische Volks- Puppenspiel hat eine verwickelte Geogra-phie, denn eine jeder der rumänischen Provinzen hatte ihr Puppenspielmit seiner eigenen Geschichte, und in jeder dieser Provinzen durch-lebte dieses Schauspiel mehrere Momente, die auch ihrerseits in ihrerEntwicklung miteinander vermengt waren. Außer dieser Tatsache istnoch eine weitere in der Kleinen Walachei angetroffeneSituation sehr merkwürdig und schwer zu erklären: Das Puppenspielhat sich dem Stück Irod(= Herodes) des geistlichen Volksschauspielsverbunden-, es wurde ihm angegliedert. Unter diesen Umständenhabe ich sogar mit dem Risiko, lehrhaft zu werden- eine, oft sogarpedantische, Darstellung angestrebt, die so klar wie möglich dieGeschichte und Entwicklung dieses Schauspiels zeigen und die Fädenentwirren soll, welche die Zeit und die jedem Moment eigene Situationgesponnen haben. Das Gesamtbild dieses Schauspiels ist fast chaotisch,und es fiel mir nicht leicht, es zu erklären, die Tatsachen zu ordnen unddieses Bild so darzustellen, daß es richtig verstanden werde.

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Der Gipfelpunkt des levantinischen Einflusses in der Walacheiund der Moldau fiel ins 18. Jahrhundert. Transsilvanien( Siebenbür-gen) strebte einer andern politischen und geistigen Sphäre zu, deshalbbefassen wir uns hier nicht mit dieser Provinz; die Fürsten undAdeligen Transsilvaniens waren in der Mehrzahl Ungarn, und alssolche lenkten sie hier das Leben in eine andere Richtung. Die Levantebegann, mit all dem, was ihr eigen war, am Ende des 16. Jahrhundertsin die beiden Fürstentümer einzudringen, als die Hohe PforteTürkei immer kräftiger in deren politisches Leben eingriff. DenRumänen selbst- den Bojaren und Herrschern- war es zuzuschreiben,

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