Jahrgang 
84 (1981) / N.S. 35
Einzelbild herunterladen
 

BRADS. Bollettino del Repertorio e dell'Atlante DemologicoSardo. Herausgegeben von Enrica Delitala, Redaktion Cattedra di Storia delleTradizioni popolari. Cagliari, Universität, Facoltà di Lettere.

Die großformatige Zeitschrift des ungemein bemühten Institutes von Cagliari aufSardinien muß hier wenigstens einmal, und das auch nur andeutungsweise, vorgestelltwerden. Alberto M. Cirese, Enrica Delitala und ihre Mitarbeiter bemühen sich hier umeine auf hohem Niveau befindliche Forschung, die von den Fragen des Atlas derVolkskunde Sardiniens ausgeht und die einzelnen Gebiete jeweils auch in Spezialartikelnkommentiert. Gebiete wie etwa die Speisenvolkskunde, das Brotbacken, im neuestenHeft die Fleischkonservierung, werden ausführlich behandelt, wobei nicht nur Vertreterder Schule von Cagliari, sondern auch andere Beiträger aus ganz Italien zu Wortkommen. So ist etwa auf die Beiträge von Umberto Raffaeli für das Trentino oder vonGiovanni Tassoni für Mantua hinzuweisen. Man kennt die heute in Italien betriebeneVolkskunde nicht, wenn man diese großformatige, gut gedruckte Zeitschrift nicht kennt,an der übrigens angenehm auffällt, daß sie sogar kurze Auszüge aus den Artikeln inenglischer und in deutscher Sprache bringt. Für eine alte große Weltsprache wäre dies füruns wenigstens wohl nicht unbedingt notwendig, erleichtert aber selbstverständlich dochdie Benützung.

Leopold Schmidt

Elisabeth Walther, Modernes Wallfahrtswesen in Westirland. Am Beispielvon sechs Dörfern der Grafschaften Galway und Mayo. Dissertation Köln. 350Seiten( vervielf.) mit 13 Abb. und 2 Kartenskizzen. Köln, Dr. Elisabeth Walther,Hebbelstraße 87, 1980.

Vorliegende Dissertation ist im Fach Völkerkunde an der Universität Kölngearbeitet, gehört aber fachlich durchaus der Wallfahrtsvolkskunde an.

Das irische Wallfahrtswesen ist vor allem durch die eindrucksvolle Schilderung vonLough Derg, dem alten Purgatorum des hl. Patrick bekannt, die Rudolf Kriss einstmalsgeschrieben hat( Rudolf Kriss und Lenz Rettenbeck, Wallfahrtsorte Europas. München1950. S. 164 ff.) Lough Derg findet sich auch hier behandelt, aber eingebunden in einemoderne Gesamterarbeitung, die auf der eingehenden Befragung von Gewährspersonenin 6 westirischen Dörfern beruht. Die Methode dieser Befragung wird zunächstgeschildert, dann folgt die Erörterung des Verhältnisses von Kirche und Wallfahrtswesen,weiters das IL Hauptstück über die Wallfahrt in heutiger Zeit, mit Eingehen auf dieKirchen, aber auch auf die besuchten Quellen, Bäume, Steine usw., ferner auf Patroneund Daten der Wallfahrten. Das Verhältnis von Gruppen- und Einzelwallfahrten wirdbehandelt, das Wallfahrtsritual mit Gebet, Umschreiten des Ortes, Verweilen bei denHeiligtümern, rituelle Verwendung des Quellwassers. Besonders eingehend ist dieBehandlung der cursing stones", man denkt unwillkürlich an die Bräuche auf demFalkenstein bei St. Wolfgang. Aber die Verfasserin ist weniger auf vergleichendeBetrachtung eingestellt als auf die mehr oder minder statistische Erfassung derWallfahrer und die ausführliche Behandlung der Angaben der Informanten. Es ergibtsich daraus sicherlich manches über die Motivierung der Wallfahrtsteilnahme. Man kannmit einem auf diese Weise erfragten Material gewiß die Gründe für die Durchführung derWallfahrten bis ins Persönliche festhalten, wird auch die Gruppenwallfahrt als ,, soziale

65