oder von Schwegelweisen herübergenommen wurden. Eine kurze, aber äußerst auf-schlußreiche Arbeit also über ein praktisch bisher nie behandeltes Gebiet.
Leopold Schmidt
Das Rätische Museum, ein Spiegel von Bündens Kultur und Geschichte. 24 Abhandlungen mit 469 Abbildungen, 158 Phototafeln und 2 Karten. Zusammenfassungen inRomanisch, Italienisch, Französisch, Englisch. Text und Bildredaktion Hans Erb.Herausgegeben von der Stiftung Rätisches Museum Chur 1979. 491 Seiten.
Es wird wenig Darstellungen des überlieferten gegenständlichen Kulturgutes einerverhältnismäßig eng begrenzten Landschaft geben, die sich an wissenschaftlicherGediegenheit der Texte wie an Qualität der Abbildungen mit diesem Generalbericht zumhundertjährigen Jubiläum des Rätischen Museums im Jahre 1972 vergleichen können.Nach einem geschichtlichen Überblick von Christian Padrutt zeichnet Hans Erb,Redaktor des Sammelbandes und früherer Leiter des Museums, die Entstehung undgegenwärtige Aufgabe der berühmten Sammlung, deren Schriftenreihe( seit 1965)bereits 22 Hefte umfaßt. Unter den im 19. Jahrhundert in der Schweiz eröffnetenhistorischen Museen steht das Rätische Museum in Chur mit dem Gründungsjahr 1872an elfter Stelle. Erst 1898 folgte ihm das Schweizerische Landesmuseum in Zürich. Einenbesonderen Rang sichert dem Rätischen Museum schon die Tatsache, daß ,, kein Kantongeographisch so reich gekammert sowie sprachlich und kulturell so vielfältig gegliedert istwie das über seine Pässe zwischen süd- und nordalpinen Kulturräumen vermittelndeBündner Gebirgsland"( Erb). Diese Vielfalt spiegelt sich in dem ungewöhnlichenAufwand des fünfsprachigen Textes, wenn auch dem ausführlichen deutschen Teilknappere Zusammenfassungen gegenüberstehen. Aber auch in diesen Kurzfassungenwird jedes Objekt genannt und erklärt. Nur für die zahlreichen kleinen Abbildungen imText müssen deutsche ,, Abbildungslegenden“ genügen.
Wie die Sammlung den Charakter eines kulturgeschichtlichen Museums hat, sogehen auch die einzelnen Beiträge von ,, zumeist an Museen und Universitäten wirkendenFachleuten" verständlicherweise einerseits weit über eine„ Volkskunde" des Gebieteshinaus, während sie andererseits im engen Rahmen der Sachgüter verweilen. Urge-schichtliche Funde werden von Margarita Primas, römerzeitliche von ElisabethEttlinger, frühmittelalterliche von Hans Rudolf Sennhauser behandelt. Münz-,Siegel-, Wappen- und Waffenkundliches erörtern Gerhard Rolf Hochuli, Hans Erbund Hugo Schneider. Kunst und Kunsthandwerk gewidmet sind Beiträge von AlfredWyss( Kultgerät), Brigitta Schmedding( Kirchliche Textilien), Hans Erb( Glasge-mälde), Leonarda von Planta( Porträts, Historie; Tafelsilber, Schmuck und Uhren),Duri Vital( Zinnguß), Lea Carl( Eisenwerk).
Von den 21 Sachbeiträgen stellen sich die letzten sieben in den Kreis einer imengeren Sinn volkskundlichen Betrachtung. In den Bündner Möbeln( Walter Trachs-ler), im Schragentisch, in Truhe, Schrank, Wiege und Stuhl, Spinn- und Webgerät zeigtsich deutlicher als in den Gütern der„, hohen Kultur" eine Beziehung zur Überlieferungin den benachbarten Talschaften von Tirol und Vorarlberg( Montafon). Gleiches gilt vom,, Vorindustriellen Gerät der Land- und Hauswirtschaft"( Robert Wildhaber). Wetz-steinbehälter, Zählhölzer, Reff und Kreeza, Schiebkarre und Wagen, Arbeitsgeräte fürStall, Haus und Küche werden fast durchwegs in der Arbeit des nördlich angrenzenden
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