Wilfried Feldhütter, Bauerntheater. Geschichte und Geschichten. 192 Seiten, mitzahlr. Abb. Rosenheim 1979, Rosenheimer Verlagshaus.
Ein hübscher, gut ausgestatteter Band, der Geschichten vom alten Bauerntheaterverspricht. Geboten werden freilich vor allem Geschichten vom alten Volksschauspiel,nämlich: Ludwig Steub über das Volksschauspiel von Kiefersfelden, Max Mell einmalüber das Paradeisspiel, dann über das Passionsspiel in Steiermark. Aus der Steiermarkstammt auch Leopold Kretzenbachers Bericht über ,, St. Nikolaus und die Rauhen",also über das Mitterndorfer Nikolausspiel. Ludwig Steub wieder ist ein Bericht über dasPassionsspiel zu Erl entnommen. Dazwischen sind Gedichte von Franz von Kobell,Hirtenlieder aus Krippenspielen, aber auch der„, Schwarzbraune Michal", wie ihn einstKonrad Mautner aufzeichnete, eingestreut. Über Oberammergau berichtet einmalEduard Stemplinger, dann eine Zusammenfassung ,, Pater Ferdinand Rosner undOberammergau: Gottes Noth". Warum„ Der billige Jakob“ von Lena Christ aufge-nommen wurde, versteht man nicht ganz. Da fügen sich die autobiographischen Skizzenvon Alois Johannes Lippl noch eher ein.
Eine etwas bunte Textsammlung also, vielleicht zur populären Einführung für ganzUnkundige geeignet, sicherlich nicht schlecht zu lesen, besonders wenn man hie und daein Auge zudrückt, und etwa S. 95 bei einem„, Würztaler Paradeisspiel" sich das docheigentlich gemeinte„ Mürztal“ dazudenkt. Von dem figurenreichen Bild einer Spielpausein einem Bauerntheater von Eduard Grützner, das farbenfroh den Umschlag ziert,erfahren wir leider nicht, um welche Bühne es sich gehandelt haben mag. Doch wohl umKiefersfelden? Die Hauptdarsteller dort haben offenbar vor mehr als hundert Jahrennicht wesentlich anders ausgesehen wie heute auch. Das schöne Bild gehörte wohl nocheinmal, und zwar mit entsprechender Kommentierung veröffentlicht.
Leopold Schmidt
Die Süddeutsch- Österreichische Orgelmusik im 17. und 18. Jahrhundert. Tagungsberichtherausgegeben von Walter Salmen. 240 Seiten, mit 11 Abb. und Noten im Text.Innsbruck 1980, Musikverlag Helbling.
Dieser Bd. VI der Innsbrucker Beiträge zur Musikwissenschaft würde uns verhält-nismäßig weit abliegend erscheinen. Es ist zwar sehr zu begrüßen, daß über dasvolkstümliche Orgelspiel soviel zusammengetragen werden konnte, beispielsweise auchArtikel wie der von Jiři Sehnal über„ Das Orgelspiel in Mähren im 17. Jahrhundert"oder jener von Richard Rybaric über ,, Orgel und Orgelspiel in der Slowakei bis 1800",wobei der deutsche Anteil an Orgelbauern, Orgelspielern und Komponisten unüberseh-bar stark herauskommt. Aber zu einer Anzeige hier berechtigt doch nur der kurze, aberoriginelle Beitrag von Karl Horak„ Dorforganist und Dorfmusikant", mit seinenAufzeichnungen vor allem aus Südtirol. Da ergeben sich vorzügliche Einblicke in denwirklich volksnahen Kirchengesang, der womöglich von gar keiner Orgel begleitet wurde,weil nicht einmal ein Harmonium vorhanden war, oder auch von der Bevölkerung nichtgeschätzt wurde. Die Sänger stützten sich auf handschriftliche Liederbücher, und für dieSingweisen mußten mitunter nach alter Kontrafaktur- Manier weltliche Lieder herange-zogen werden. In einem Fall, nämlich in Oberolang soll das Marienlied ,, Maria blick vonHimmelshöhn" sogar nach„ Zillertal, du bist mei Freud" gesungen worden sein. Auchaus einigen Liedhandschriften geht hervor, daß die Weisen von„ Deutschen Tänzen“
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