Jahrgang 
84 (1981) / N.S. 35
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Die steirische Sammlung, vor 40 Jahren zum ersten Mal von Geramb vorgelegt,erschien 1946 in unveränderter Neuauflage und wurde damals von mir als erstes Buch inder Neuen Folge unserer Zeitschrift( ÖZV 1/50, S. 128 f.) besprochen. Der Verfasser hatmir daraufhin schriftlich erklärt, daß ich das Buch nicht verstanden habe. Nun, dieÖffentlichkeit, soweit sie steirische Märchen liest, hat das Buch jedenfalls gut aufgenom-men. Nach Gerambs Tod betreut Karl Haiding seit der 4. Auflage das Werk, dasnunmehr in dieser 5. Auflage vielleicht seine endgültige Gestalt angenommen habendürfte. Es ist um einige weitere Aufzeichnungen Haidings vergrößert, in vielen Fällenverbessert worden, und vor allem durch einen ausführlich gehaltenen Anmerkungsteilbereichert worden. Der Anteil Romuald Prambergers mit seinen vielfach überarbeitetenAufzeichnungen, worauf ich schon damals 1947 aufmerksam gemacht hatte, ist vonHaiding durchaus im gleichen Sinn gewürdigt worden. Man könnte an dieser Stelle denWunsch einflechten, daß eine Grazer Dissertation, die dem Sammler Prambergergewidmet wurde, eigentlich doch veröffentlicht werden sollte. Ein zweiter Wunsch wärewohl, daß der nun auch schon dahingegangenen Zeichnerin Emmy Singer- Hießleitner,die das Buch so eindrucksvoll mit ihren Haus- und Siedlungsbildern ausstattete, einfundiertes Gedenkwort hätte gewidmet werden sollen.

Haidings eigenes Werk, der Märchenschatz, ist einstmals auf meinen Hinweishin vom Pro- Domo- Verlag sehr ordentlich herausgebracht worden. Der Verlag existiertnicht mehr, das Buch ist längst vergriffen, eine Neuauflage war daher erwünscht undberechtigt. Haiding hat das Buch ganz überarbeitet, viel an eigenen Aufzeichnungen ausden letzten Jahrzehnten eingefügt, und vor allem den Anmerkungsteil wesentlichbereichert. Der sorgfältige Benützer wird infolge der verschiedenen Textauswechslungenkünftighin beide Ausgaben benützen müssen. Albert Wesselski hat sich in solchen FällenGleichheiten und Verschiedenheiten der verschiedenen Auflagen mit kleinen, aber nochleserlichen Bleistiftanmerkungen jeweils zum Text dazugeschrieben, wie seine erfreuli-cherweise erhaltenen Handexemplare in unserer Bibliothek beweisen. Hoffentlich gibt esauch heute wieder den einen oder anderen Gelehrten, der für sich das gleiche tut. InHaidings Anmerkungen leuchtet meiner Ansicht nach noch einmal das Feuer deseinzelnen, um nicht zu sagen einsamen Märchenforschers auf, wie diesen geradezu alsTypus unsere Forschung anderthalb Jahrhunderte hindurch gekannt hat. Heute reichenInstitute kaum mehr aus, um solche Arbeiten nachzuvollziehen.

Um so schöner, wenn man sieht, daß sich die Werke eines solchen nahezu letzteneinsamen Sammlers und Forschers doch heute auch noch verlegerisch gestalten undbetreuen lassen. Der Märchenschatz ist nämlich in der Neuausgabe ein durchausstattliches Buch geworden, an dem man seine Freude haben kann.

Leopold Schmidt

Helmut Prasch, Spittal an der Drau in alten Ansichten. Querformat, 76Abb. mit Text. Zaltbommel, Niederlande 1980, Europäische Bibliothek.$ 195,-.

Die Lust an der Zusammenstellung alter Ansichtskarten hat auch Österreicherreicht, und der Verlag Europäische Bibliothek in Zaltbommel in den Niederlanden, derschon etwa 300 derartige Einzelbände herausgebracht hat, konnte nunmehr auch diesenBand über Spittal an der Drau veröffentlichen. Der Gründer und Leiter des dortigenBezirks- Heimatmuseums hat das Material zusammengestellt und die lebensvollen,

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