Möbel zum Geschirr, vom Gerät zum Gewebe, und dazu alles aus demBereich des unendlich breiten Beiwerkes vom Andachtsbild bis zumFlugblattdruck, alles also, was unsere Samlungen im allgemeinen mehrverwahren als darbieten können. Für 1868 wird die Auswahl wiederschmäler, nicht zuletzt auch deshalb, weil man um 1886 oder 1896, alsman die volkskundlichen Sammlungen gründete, so„ junge" Stückekaum schon erwerben mochte. Aber es hat sich wohl seit achtzig Jahrenda manches nacherwerben lassen50).
Das wären also Jahrhundertquerschnitte, die sich tatsächlichherstellen ließen, mit Originalbelegen, in manchen Fällen vielleichtauch mit dazupassenden Kopien oder Reproduktionen: Volkskundli-che Sammlungen sind keine Kunstsammlungen, für uns bestehen keineBedenken, Kopien, Photomontagen, Karten und andere Schauhilfenneben Originale zu stellen und zu hängen. Wesentlich ist ja nur, dannfestzustellen und festzuhalten, was ein derartiger Querschnitt durch einJahr eines Jahrhunderts eigentlich ergeben hat. Man wird den Gehaltmit den geschichtlichen Ereignissen konfrontieren, vielleicht mit ande-ren, an das Jahr gebundenen markanten Ereignissen. Vielleicht lassensich einige Leitlinien dann durchziehen, die auch für andere Gebieteund Anschauungen von Bedeutung sind. Es hat sich ja noch immerherausgestellt, daß derartige Arbeiten, wenn sie nur konsequentdurchgeführt werden, die betreffende Richtung wohl nur bis zu einemgewissen Grad fördern konnten; dann aber für eine andere, unterUmständen gar nicht benachbarte, wichtig, weiterführend wurden.Wenn wir beispielsweise von den Jahren um 1860 sprechen: Wer hätteschließlich gedacht, daß die auf Erfassung der mythischen Fruchtbar-keitswesen hin angestellten Umfragen von Wilhelm Mannhardt, imJahr 1865 ausgeschickt und nie vollständig ausgewertet 51), ein vollesJahrhundert später zu einer ganz außerordentlich wertvollen Interpre-tationsgrundlage für die Probleme der volksgesellschaftlichen Gliede-rung im Arbeitsbrauch werden könnten³²).
50) Lothar Pretzell, Kostbares Volksgut aus dem Museum für deutscheVolkskunde zu Berlin. Katalog der gleichnamigen Ausstellung. Berlin 1967.
Lebendiges Gestern. Erwerbungen von 1959 bis 1974. Museum für deutscheVolkskunde(= Festschrift für Lothar Pretzell zum 65. Geburtstag) Berlin 1975.
51) Richard Beitl, Wilhelm Mannhardt und der Atlas der deutschen Volkskunde( Zeitschrift für Volkskunde, Bd. 4, Berlin 1933, S. 70 ff.).
52) Ingeborg Weber- Kellermann, Erntebrauch in der ländlichen Arbeits-welt des 19. Jahrhunderts(= Veröffentlichungen des Instituts für mitteleuropäischeVolksforschung, Bd. 2). Marburg 1965.
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