Jahrgang 
84 (1981) / N.S. 35
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Da ist es nur gut, daß sich im Posteinlauf auch die neuesten Hefteder verschiedenen ,, Zeitschriften für Volkskunde" finden. Sie stellenmit ihren Aufsätzen, Chronikbeiträgen und nicht zuletzt mit ihrenkritischen Buchbesprechungen wohl fast den besseren Teil der Litera-tur des Faches in der Gegenwart überhaupt dar. Dem Außenstehendendürfte es merkwürdig erscheinen, daß es schon auf deutschem Sprach-gebiet, also Österreich und die Schweiz mitinbegriffen, nicht wenigerals ein rundes Dutzend von solchen Fachorganen gibt. Und nichtwenige davon tragen in den meist schon mehr als ein halbes Jahrhun-dert alten Titel einen deutschen Landschaftsnamen. Das deutet zwei-fellos auf einen wichtigen Teil der Geschichte dieses Faches hin: Volkskunde wurde und wird vielfach, und sicherlich nicht ohnegewisse Berechtigung, als Wissenschaft von den traditionellen Überlie-ferungen in einem bestimmten Land, vor allem bei den Bauern undKleinstädtern eines alten Teilstaates, begriffen. Das ist nicht nur,, Romantik, wie man heute manchmal etwas herablassend sagen zukönnen glaubt, sondern hat seine gute Berechtigung, aber freilich nurdann, wenn man sich dessen bewußt bleibt, daß die großen Städte wieBerlin oder Wien, Hamburg oder Köln durchaus auch ihr Volkhaben, in ihrer Geschichte von der Eigenart dieser ihrer Menschengeprägt sind, wenn man auch zugeben wird, daß es sogar eine gewissegemeinsame Großstadt- Tradition gibt, die zu Erscheinungen verwand-ter, zu gleicher Art in gleichen Zeiträumen führen kann. Man denkeetwa an die schlagartige Verbreitung des riesenhaften ,, Christbaumesfür alle, der seit einigen Jahren vor den Rathäusern so vieler Städtesteht. Ich habe von solchen Erscheinungen gelegentlich unter dem Titel,, Brauch ohne Glauben" gesprochen³), wobei übrigens im wesentlichennur zusammenzufassen war, was etwa Richard Beitl einst für Berlin')oder Walter Hävernick und Herbert Freudenthal später für Hamburgschon in so manchem Detail ausgeführt hatten¹º).

Die ,, Zeitschriften für Volkskunde erläutern übrigens schon reindurch ihre Titel, daß man den guten Namen des Faches gern und ohne

8) Leopold Schmidt, Brauch ohne Glaube. Die öffentlichen Bildgebärden imWandel der Interpretationen( Antaios Bd. VI, 1964, S. 209 ff.).

Wiederabgedruckt in: derselbe, Volksglaube und Volksbrauch. Berlin 1966,

S. 289 ff.

9) Richard Beitl, Volksglaube der Großstadt. In: Beitl, Deutsches Volkstum derGegenwart. Berlin 1933.

10) Beiträge zur deutschen Volks- und Altertumskunde, in Verbindung mitHerbert Freudenthal, Dora Lühr und Helmuth Thomsen, hg. von Walter Hävernick.Bd. 1 Hamburg 1955.

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