zahlreiche Vermittlungsstellen, beispielsweise jene des Fremdenver-kehrs, müssen über die verschiedensten Dinge Auskunft geben undholen sich nun ihrerseits wieder die Auskünfte, wo sie diese am ehestenerlangen zu können glauben. Wenn man dieses Frage- und Antwort-spiel etwa ein Jahr hindurch verfolgt, den Briefwechsel ebenso wie diebesonders lästigen Telefongespräche, so ergibt sich auch eine Art vonQuerschnitt, nämlich ein Querschnitt durch jenen Stoffkreis, von demdie Allgemeinheit glaubt, daß er von der Volkskunde ausgeschrittenwerde. Man soll also wissen, wo zuverlässig ein sehenswerter Almab-trieb stattfinden wird; warum die„, Goldenen Sonntage" gerade so undnicht anders heißen; wie man eigentlich Bauernmöbel bemalt, wasoffenbar als eine Spezialkunst angesehen wird; woher die in diesemoder jenem Museum ausgestellten Krippen wirklich sind, weil es dochvon dort noch welche gibt; wie alt die Sitte sei, auf GrabsteinenPhotographien anzubringen, und ob es sich dabei nicht um einenaltertümlichen Bildzauber handle. So geht das tagaus, tagein, von deneinfachsten Sachfragen bis zu jenen, die eine unwillkommene Vorbe-schäftigung des Fragestellers mit veralteter Literatur verraten. Alles,was Brauch und Glauben betrifft, ist irgendwann schon einmal vonirgendeiner religionsgeschichtlichen oder anderen Richtung„, erklärt“worden). Und diese ,, Erklärungen“ im Sinn von Magie, von Toten-kult, Okkultismus, Psychoanalyse, heute vielleicht auch schon Struktu-ralismus und so weiter, ursprünglich wissenschaftlich durchaus berech-tigt, sind nun auf dem Wege des„ gesunkenen Kulturgutes" in dieVolkshochschulen und in die Abschreiber- Sachbücher gelangt undwerden uns im Rücklauf sozusagen täglich wieder angeboten.
Da ist es einem in mancher Hinsicht doch lieber, wenn der Frageram Telefon nur wissen will, ob die Häuser im nächsten Freilichtmu-seum wirklich ,, echt“ seien- übrigens eine beinahe unbeantwortbareFrage, oder wenn er sich nur einen Schlitten- ,, wissen Sie, so einenechten Bauernschlitten"- zum Kopieren ausborgen will. Wer großeSchaubräuche wie Perchtenspringen oder Glöcklerlaufen filmen will,kann im allgemeinen leichter zufriedengestellt werden als etwa Hei-matforscher, die enttäuscht abziehen, wenn man ihnen nicht bestätigenkann, daß auch bei ihnen einst das Osterfeuer durch Alphornblasenverschönt wurde. Man wird es im nächsten Fernsehen dann dochvorgesetzt bekommen, diese Ansatzstelle des ,, Folklorismus" scheint
4) Vgl. Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, 12 Bde. Berlin 1927 ff.