Das Christentum als Weltreligion hat in allen seinen großen Bekenntnissenkaum jemals ein mitfühlendes Nahverhältnis( gr. sympátheia) zum Tier bekundet.Ochs und Esel werden nicht schon in den Evangelien, sondern erst mehrere Jahr-hunderte später erst in den Apokryphen erwähnt, im liturgischen ordo des Drei-königstages bzw. der Beschneidung genannt, frühestens im 12. Jahrhundert bild-lich, vielleicht ab dem 13. Jahrhundert gelegentlich lebend eingeführt, zu„ Zeu-gen"“ der Christgeburt. Daß ein Franz von Assisi die beiden lebendig zu seiner( aus der Kirche und ohne die hl. Gestalten) in den Wald von Greccio( anno 1223)verlegten„ Weihnachtsfeier"( nicht„ Krippendarstellung"!) holte, entsprach sei-nem allverbundenen Wesen, das in jeglicher Kreatur immer nur den Schöpfer unddas Mit- Wesen erkannte, ihn befähigte, seinen„ Sonnengesang" zu singen,„ Gefühl“ und„ Stimmung“ in den Teilnehmern zu wecken, selber den Vögeln zupredigen wie nachmals sein Bruder im Geiste und im Orden Anton von Paduaden Fischen. Kirchliche„ Tiersegen“ hatten eher privaten Charakter. Sie solltenvor allem auch nützen, Arbeitskraft und Leistung der Tiere für den Menschen zuerhalten. Daẞ„ Tiere an hl. Stätte" gehalten wurden und vereinzelt werden( vgl.ÖZV XXXVI/ 1982, S. 233-252) war immer nur in Mirakelberichten, Legenden,Sagen begründet, ist eher( wie es Leopold Schmidt nannte) ein„ heraldisches Mo-tiv". Zoologische Gärten, entstanden zu unterhaltend- belehrender Schau aus denMenagerien der Fürsten, gibt es bes. seit dem 18. Jahrhundert( Schönbrunn/ Wienseit 1752). Der„ Streichelzoo", den Kindern die Nähe zum Mitgeschöpf Tier inliebender Zuneigung beizubringen, ist gar eine Erfindung unserer Zeit; eine rich-tige Innovation also! Sie aber steht, wohl nicht ohne gespürten( und geführten!)Zusammenhang mit der noch jüngeren Innovation, die es seitens kirchlicherSeelenführung eines„ Guten Hirten" den Kindern erlaubt, ihre lebenden Lieblin-ge, Hunde, Katzen, Meerschweinchen, Hasen, Kaninchen mit zur Krippe in dasevangelische Gotteshaus zu bringen, dort sogar ein lebendes Eselein mit Geschen-ken für Arme, Kranke in einem nahen Altersheim zu beladen. So wenigstens hältman es auf Anregung des protestantischen Pastors Dr. theol.( Theologie, Völker-kunde, Religionswissenschaft in Marburg/ Lahn) et Dr. phil.( Volkskunde in Mün-chen) Ebermut Rudolph zu Kempten im Allgäu. Seine vor etlichen Jahren er-folgte Anregung scheint zunächst einmal bei Kindern und Eltern, aber auch beider Presse freundlich Anklang gefunden zu haben. Alljährlich berichten die Lo-kalzeitungen von solcher Kemptener Krippenfeier mit lebenden Tieren. Sie fandin Maria Hellstern eine liebevolle Besprecherin, in Erika Bachmann eine gutePhotographin. Beide dienen auch einer Dokumentation zur Innovationsaufwei-sung der Gegenwartsvolkskunde.
Leopold Kretzenbacher
Richard Jeřábek, Plastika lidových tvurcu.( Plastik der Volksschöpfer). Ode-on, Prag, 1981, 71 S.
Diese Monographie des Brünner Fachmannes für Volkskunst erschien in derbekannten Edition„ Gegenwärtige tschechische Kunst". Sie befaßt sich mit demgegenwärtigen Stand der nichtprofessionellen bildnerischen Kunst, sie schildertdie Lust, das Streben und die Fähigkeiten, zu schaffen, wie der Autor in der Ein-leitung sagt. Jeřábek wählte für die Monographie 31 Schaffende aus, die
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