Jahrgang 
85 (1982) / N.S. 36
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einmal ad oculos, daß eine Beschäftigung mit der Gottesgelahrtheit dem angehen-den Volkskundler besser anstünde als das Ausgrasen in fachfremde, wenn auchderzeit modische Disziplinen. Und zum Sitz im Leben reiht sich wie von selber dieFunktion an, deren Umfang wiederum von der Herstellung bis zur brauchtümli-chen Stellung voll ausgelotet wird. Dabei werden auch sogenannte profane The-men" gut repräsentiert, die überaus aufschlußreich für Mode, Tracht und, wieschon bemerkt, das Handwerk und seine Geschichte sind.

An dieser Stelle sei auch anerkennend und dankend vermerkt, daß die Autorindes öfteren Karl von Spieß zu Ehren kommen läßt, der dies gerade in Wien red-lich verdienen würde.

Soll man des weiteren etwas zum wahrhaft integrierenden Bildteil des Opus sa-gen, fällt es abermals schwer, nicht in Superlative zu verfallen. Wie wir es von an-deren Publikationen des renommierten Verlages kennen, ist die Wiedergabe desweislich ausgewählten, reichhaltigen Bildmaterials schlechthin optimal. Durch diegroßartige Qualität der Illustrationen wird nicht nur der Text in wünschenswerterWeise zu einem Ganzen aufgewertet, sondern sie bieten darüber hinaus auch dieMöglichkeit etwa für spezielle ikonographische Studien. Die den Abbildungenbeigegebenen Kurztexte gehen, wie es dem Volkskundler ansteht, gleichfalls aufbrauchtümliche Fakten ein und unterstreichen dermaßen den geschlossenen fach-lichen Charakter des Werkes. Der naheliegenden Verlockung, die Bilder hier ein-zeln zu besprechen, müssen wir allerdings widerstehen und verweisen den Lesergerne auf diese reizvolle Beschäftigung.

Die reichhaltigen Anmerkungen sind ebenso lehrreich wie der eigentliche Text,das ausführliche Register erleichtert das Arbeiten mit diesem nicht anders dennals Nachschlagewerk der Pemmatologie anzusprechenden Prunkstück jeder volks-kundlichen Bibliothek. Die abschließende Bibliographie paßt sich dem großange-legten Rahmen des Buches voll und ganz an.

Abschließend sei demnach an Stelle einer wiederholten Laudatio einfach festge-stellt: die Verfasserin des schönen, verdienstlichen vorliegenden Bandes besitztoffensichtlich nicht nur die nötige Beherrschung des speziellen Stoffes, sondernauch die von ihr zu Recht geforderte darüber weit hinausgehende Übersicht überdie gleichfalls notwendigen Nachbargebiete und Hilfswissenschaften. Wir beglück-wünschen sie zu dieser heute keinesfalls selbstverständlichen volkskundlichen All-gemeinbildung ebenso herzlich wie zum Erscheinen ihrer herrlichen, das Fachschlechthin bereichernden Publikation.

Emil Schneeweis

Ernst Fietz, Erzählende Steine. Kultsteine in Oberösterreich. Ein Beitrag zurHeimatkunde. Linz 1981. Im Eigenverlag Ernst Fietz, Linz, 46 Seiten.

Das vorliegende Werkchen macht dem rezensierenden Volkskundler wiedereinmal die Probleme bewußt, die sich aus dem Verhältnis seiner wissenschaftli-chen Disziplin zur sogenannten Heimatkunde ergeben: er stößt auf Arbeiten, diemit anerkennenswertem Fleiß und Sammeleifer unternommen worden sind, je-doch durch Mangel an Fachwissen, unkritische Übernahme von zum Teil ideolo-gisch gefärbten Behauptungen sowie längst überholten pseudowissenschaftlichen

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