Jahrgang 
85 (1982) / N.S. 36
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Michele Gortani, L'arte popolare in Carnia- Il Museo Carnico delle Arti e Tra-dizioni popolari. Seconda edizione a cura di Luigi Ciceri. Edizioni Aquileia

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Tolmezzo 1978, 548 Seiten, 533( kapitelweise durchgezählte) Fotos, 30 Farb-tafeln( mit den Statuten des Museo Carnico als Anhang).

Dieser prächtige Band stellt uns gleichsam das Lebenswerk zweier Pioniere derersten Stunde für die Volkskunde Friauls vor: Luigi Gortani¹) und dessen SohnMichele Gortani, letzterer seines Zeichens Geologe und zuletzt hochangesehenerProfessor der Universität Bologna( 1966).²) Der Buchtitel entspricht im Sinnedes Wortgebrauches der romanischen Länder unserem Begriff Volkskunde.Das Buch selbst bietet dazu in der Tat einen vortrefflichen Überblick namentlichüber die ganze materielle Volkskultur der friulanischen Carnia und stellt in sei-nem Gesamtaufbau zugleich einen sehr eingehenden Führer durch das im Okto-ber 1980 nach dem Erdbeben von 1976 mit großem Idealismus wiederaufgebauteund neu eingerichtete, z. T. sogar um eine Trachtenabteilung erweiterte MuseoCarnico im Palazzo Campeis von Tolmezzo dar. Entstehung der Sammlungen, de-ren Gründer L. und M. Gortani werden in den diversen Einbegleitungen auf-schlußreich gewürdigt. Diese 2. Edition des Werkes besorgte Luigi Ciceri unterder Patronanz der Società Filologica Friulana( Udine), wobei gegenüber der er-sten Auflage von 1965 die Textpartien mit den ungemein kenntnisreichen Be-schreibungen und Erläuterungen von Michele Gortani unverändert übernommen,der Bildteil des Werkes jedoch beträchtlich erweitert werden konnte.

Die Carnia ist jener Landesteil der nordostitalienischen autonomen RegionFriaul Julisch- Venetien, der das z. T. hochalpine Gebirgsland am Oberlauf desTagliamento mit dessen fünf nördlichen Zuflüssen umfaßt und unmittelbar anÖsterreich, genauer an das Kärntner Gail- und Lesachtal angrenzt. Sehr im Ge-gensatz zum Basso Friuli handelt es sich hier um eine ungemein karge südalpineGebirgswelt, deren männliche Bewohner schon seit dem Mittelalter, vor allem alsSteinbauleute, auf Saisonarbeit in die Fremde ziehen mußten, während die Frau-en daheim mit den Kindern und Alten eine bescheidene Landwirtschaft( mit et-was Viehzucht) betrieben. Michele Gortani war ein hervorragender Kenner seinerkarnischen Heimat und beschreibt deren Lebensverhältnisse und ihre Besonder-heiten nicht nur mit liebevollem Interesse, sondern auch ständig vergleichend so-wohl mit den Volkskulturen anderer Alpengebiete wie auch mit dem übrigen( Nord-) Italien. Er kennt die Museumssammlungen sowohl im übrigen Friaul

1) Zu Ing. Luigi Gortani( 1850-1908) vergleiche man dessen dialektologischenund volkskundlichen Beiträge in den ersten Auflagen von Giovanni Marinelli,Guida della Carnia, Udine 1894 und später; ferner Luigi Gortani, Tradizioni Po-polari Friulane Raccolte, vol. I°, Udine 1904( als Sonderdruck aus den Pagine

Friulane).

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2) Der Herausgeber dieser 2. Auflage des Museumswerkes von Michele Gorta-ni, Luigi Ciceri, fügt den einbegleitenden Präsentationstexten in dankenswerterWeise auch eine Bibliografia essenziale" mit den jüngsten volkskundlichen undtopographischen Publikationen über die Carnia bei( S. X- XI); zu Michele Gor-tani( 1883-1966) vgl. Enciclopedia Italiana XVII, Treves- Treccani- Tumminelli1933, S. 564.

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