Jahrgang 
85 (1982) / N.S. 36
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Jean- Pierre Anderegg, Die Bauernhäuser des Kantons Freiburg/ La maison pay-sanne fribourgeoise, Band 1: Die Bezirke Saane, See, Sense/ Les districts duLac, de la Sarine et de la Singine(= Die Bauernhäuser der Schweiz, hrsg. v. d.Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde, 7. Band). Basel- Verlag G.Krebs AG 1979, 403 Seiten, 494 Photographien, 375 Pläne und Zeichnungen,80 Karten, 4 Farbtafeln, 1 Faltkarte.

Die prächtig ausgestattete und gewichtige Buchreihe Die Bauernhäuser derSchweiz" scheint nun rascher voranzukommen. Schon vor längerem ist dieser er-ste Band für die Westschweiz erschienen, und zwar als Band 1" für den nördli-chen Teil des zweisprachigen Kantons Freiburg/ Fribourg, der aus dem Seebezirkvon Murten und Wistenlach( auch Murtenbiet genannt), dem westlichen Saanebe-zirk und dem östlichen Sensebezirk besteht. In mehrfacher Höhenstaffelung tref-fen hier sowohl sprachlich- ethnisch( deutsch französisch) als auch historisch( so-gen. alte freiburgische Landschaft: Herrschaft Murten Bern) und konfessionellverschiedene Landschaften zusammen und gruppieren sich rings um die alte Kan-tonshauptstadt Freiburg/ Fribourg. Andereggs Originaltext in Deutsch ist einetreffliche französische Parallelübersetzung von Alain Robiolio beigegeben. Haus-kundlich handelt es sich zweifellos um eine ungemein interessante Kontaktzoneder westlichsten Innerschweiz, deren Aufarbeitung daher in vieler Hinsicht Neuesund Interessantes erwarten läßt.

Hinsichtlich des Gesamtunternehmens zeigt sich dabei erneut sowohl in denGrundauffassungen wie auch im Stoffaufbau weitgehende Selbständigkeit undUnabhängigkeit der verschiedenen Kantonsbände. Trotz einer sehr deutlichen hi-storischen Ausrichtung und Orientierung in der Sichtung und Darstellung des Ma-terials geht es hier weniger um dessen Aufarbeitung und Erschließung im Sinneder vergleichenden hausmorphologischen Entwicklungsforschung als um die ver-schiedenen formalen Aspekte des Hausbaues. Dieser mehr dem Kulturgeographi-schen, Wirtschaftsgeschichtlichen, Handwerklichen und Kunsthistorischen zuge-wandte Blick auf das ländliche Bauwesen tritt besonders bei Jean- Pierre Ande-regg deutlich hervor. Das hängt nicht zuletzt wohl auch damit zusammen, daß die-ses der ländlich- bäuerlichen Architektur gewidmete Werk- wie der Verfasservorweg betont- einerseits aus einem volkskundlich- kulturgeschichtlichen Blick-winkel entstand, indem es die bauliche Existenzbewältigung vorwiegend untererSchichten am Beispiel des ländlichen Wohnens und Wirtschaftens in der vorindu-striellen Epoche beleuchtet, andererseits ein siedlungs- und kunstgeographischesZiel verfolgt, indem es die, Stilmerkmale' der Dorf-, Hof- und Architekturformenin ihrer Raum- und Zeitbindung aufzeichnet( S. 10). Aufs Ganze gesehen,scheint freilich dieser zweite Aspekt, mit dem sich- durchaus legitim und zweck-mäßig auch ein ortsweise aufgegliedertes Gebäude- Inventar"( Ortsregister)für die Denkmalpflege verbindet( S. 362-395), eher im Vordergrund zu stehen.Jean- Pierre Anderegg gliedert den umfangreichen Stoff in drei Hauptabschnit-te, die von den naturhaften und historischen Außenbedingungen seines Untersu-chungsgebietes ausgehen und über die handwerklich- technischen Details erst zumHaus als Ganzes kommen. So führt der erste Hauptteil in das Untersuchungsge-biet( Geschichte, Natur, Wirtschaft[ S. 9-27]) und in dessen Siedlung ein( Sied-lungsgeschichte, Siedlungsstruktur, Siedlungstypen und Hofanlagen[ S. 28-76]).Der mittlere Abschnitt behandelt sodann die verschiedenen ländlichen Bau-

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