Jahrgang 
85 (1982) / N.S. 36
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beschrieben werden also archaische Bauformen wie Kragkuppelbauten beiVodnjan( Istrien), Milchkeller im Puschlav, Diemen und Heubergen( S. 41-55),Städel, Heuschupfen und Scheunen( S. 57-75) oder Speicherbauten( S. 76–79),Trockengerüste, Harpfen und Hiefler( S. 80-88); dann aber ebenso klassischeHauslandschaften der Südalpen wie im Tessin( S. 89- 103), am Südfuß desMonte Rosa( S. 104-120), im Wallis und Graubündner Engadin( S. 121-128),Tirol und Trentino( S. 129-151), Karnien und Friaul( S. 152-160) und nicht zu-letzt aus den Ländern Österreichs sonst bis ins grenznahe Burgenland( S. 161-200). Was drüben im unwirtlichen Klima und unzugänglichen Hoch-gebirgsraum archaisch verharrt, erfreut sich der neuerlichen Adaption im

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Sinn der Verbesserung von Lebens- und Arbeitsbedingungen, wie sie im OstenÖsterreichs noch im beginnenden industriellen Zeitalter in der Steiermark gefun-den werden konnten in Hausformen, die mit älteren nur bedingt vergleichbarsind und die doch eine letzte gute Antwort auf veränderte ökonomische Erforder-nisse geben konnten Antworten, die seitdem weitgehend ausgeblieben sind"( S. 19). Zweifellos eine bemerkenswerte richtige Erkenntnis, die Sotriffer hierfestgehalten hat.

Vielleicht irritiert manchen der an sich längst besetzte Begriff der domus alpi-na", der bei uns etwas anderes meint als donauländische Vierkanter oder das,, Bleasstoan"-Mauerwerk im Mühlviertel, als die Weinkeller von Heiligenbrunnoder die gemauerten Hoflauben der Häuser von Unterwart im Burgenland? Viel-leicht sind für uns Hans Soeders Urformen" oder Alwin Seiferts langobardischeBauweisen" in ihren Ableitungen doch zu kurz geschlossen und also zumindest zuhinterfragen? Manches erforderte auch sonst eine Klarstellung: die alte irrigeGleichsetzung der Kornstädel und Raccards in den Westalpen, welche Lagerbau-ten für unausgedroschenes Getreide sind, mit den Vorratshäusern und Fleischkä-sten der Ostalpenländer ist nicht haltbar und wurde zumindest für Südtirol durchHelmut Keim abgeklärt. Heugeige" für ein Trockengerüst kenne ich nicht, esdürfte sogar ein Aufsitzer(?) sein. Indessen überwiegen in diesem Buch Sach-kenntnis und Verständnis für gewachsene Volkskulturen bei weitem. Sie heben esnicht zuletzt in ihrer gesunden Umweltgesinnung von vielem wohltuend ab, wasda sonst verkauft wird.

Oskar Moser

Viktor Herbert Pöttler, Volksarchitektur der Oststeiermark. Mit Bildern von A.M. Begsteiger(= Zeitschrift Gleisdorf, Sonderband 1, hrsg. v. Robert F.Hausmann). Gleisdorf 1982, 39 Seiten, 151 Fotos( mit anschließendem Her-kunftsverzeichnis).

Der schmale hübsche Band vermittelt uns eine willkommene Überschau überdie bäuerlichen Hausformen und deren historisches Baugesicht von heute in derOststeiermark. Er stützt sich auf eine treffliche Sammlung von Lichtbildaufnah-men aus der Hand von A. M. Begsteiger, deren Ausstellung vor kurzem in Gleis-dorf wohl den Anstoß zum Ganzen gegeben haben mag. Viktor Herbert Pöttlerbietet hiezu dankenswerterweise eine hauskundliche und baufachliche Texteinfüh-rung, die bemüht ist, einerseits die historische und volkskundliche Entwicklung imländlichen Hausbau bis in ihre fernsten Wurzeln aufzuzeigen, die aber anderer-seits auch die ganze Problematik der Baupflege von heute gerade vor diesem kul-turgeschichtlichen Hintergrund offenlegt und die drittens doch

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