Literatur der Volkskunde
Michael Martischnig, Vereine als Träger von Volkskultur in der Gegenwart amBeispiel Mattersburg(= Mitteilungen des Instituts für Gegenwartsvolkskunde,Nr. 9; Sitzungsberichte, 392. der Philosophisch- historischen Klasse der Öster-reichischen Akademie der Wissenschaften). Wien, Verlag der ÖsterreichischenAkademie der Wissenschaften, 1982. 179 Seiten, 16 ganzseitige Abbildungen.Seit sich die Volkskunde zur Wechselbeziehung zwischen kulturellen Formenund sozialen Gebilden als zentrales Forschungsfeld- nicht nur definitorisch- be-kennt, ist auch der Verein ihr legitimer, wenn auch zurückhaltend geliebter Beob-achtungsgegenstand. Sieht man von der Pionierleistung des Schweizers EduardStrübin, Baselbieter Volksleben( 1952), ab, so kann man konsequente Bemühun-gen um die Erforschung des Phänomens Verein erst, in den letzten 20 Jahren be-obachten, Bemühungen und Aspekte, die seine bedeutende Funktion als Kultur-träger in seiner intermediären Stellung zwischen Familie und amorpher Gesell-schaft erkannten. Der Verein schafft nicht nur dem Mitglied geistige und sozialeUmgebung, er nimmt in seiner Empfindsamkeit und Eigendynamik einen immen-sen Einfluß auf die Volkskultur und Volksgeistigkeit.
Bei dem vorliegenden 9. Mitteilungsband des Institutes für Gegenwartsvolks-kunde der Österreichischen Akademie der Wissenschaften handelt es sich nichtum einen eigenständigen Forschungsbeitrag zum nun schon geläufigen Thema,, Vereine als Träger von Volkskultur", sondern um einen Ausstellungskatalog alsVorarbeit für die im Gang befindliche Untersuchung des Verfassers.
Im November 1980 eröffnete das Institut für Gegenwartsvolkskunde in seinerPräsentationsstelle in Mattersburg( Burgenland) als Dokumentation seiner wissen-schaftlichen Tätigkeit eine beachtenswerte Ausstellung unter dem Titel„, Vereineals Träger von Volkskultur in der Gegenwart am Beispiel Mattersburg", mitge-staltet von Dipl.- Ing. Michael Martischnig, der auch als Autor des vorliegendenBandes zeichnet. Martischnig konnte dabei auf einer relativ breiten Basis öster-reichischer Vereinsforschung und Dokumentation aufbauen, sein Hauptverdienstliegt daher in der informativen Objektsbeschreibung, die sich mit zahlreichen Li-teraturhinweisen zu weiteren Forschungsaspekten geradezu anbietet.
Einleitend wird die Vereinsentwicklung im Burgenland skizziert, wobei auf dieAbhängigkeit der Vereinsentwicklung vom Verstädterungsprozeß des ländlichen
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