Die Generalversammlung 1982 wurde mit dem Vortrag des Direktors des Mu-seums für Deutsche Volkskunde in Berlin, Prof. Dr. Theodor Kohlmann,„ DasMuseum für Deutsche Volkskunde in Berlin. Ein Einblick in Geschichte und Ge-genwart"( mit Lichtbildern) abgeschlossen. Das Museum für Deutsche Volkskun-de besteht seit 1889 und gehört heute zum Verband der Staatlichen Museen Preu-Bischer Kulturbesitz. Nach schweren Verlusten im Zweiten Weltkrieg führten in-tensive Sammelbemühungen zu einer heute über 40.000 Gegenstände umfassen-den Sammlung aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und weiteren deutsch-sprachigen Gebieten. Erst seit 1976 ist das Museum wiederum für die Öffentlich-keit zugänglich.
Im Anschluß an den Vortrag haben sich die Mitglieder und Freunde des Ver-eins für Volkskunde, wie in jedem Jahr, noch zu einer geselligen Zusammenkunftund Bewirtung in den Räumen der Sammlung Religiöse Volkskunde des Öster-reichischen Museums für Volkskunde zusammengefunden.
Klaus Beitl
Zum Tode von Ferdinand Elsener
Am Pfingstmontag, dem 31. 5. 1982, während eines Spazierganges an den Ab-hängen des Genfer Sees, verstarb völlig unerwartet Ferdinand Elsener im 71. Le-bensjahr. Wenige Wochen zuvor, am 19. 4. 1982, konnte er bei guter Gesundheitinmitten seiner Freunde und Kollegen seinen 70. Geburtstag in seiner VaterstadtRapperswil feiern, wohin er sich nach fast 20jähriger Lehr- und Forschungstätig-keit in Tübingen 1978 zurückgezogen hatte. Und noch drei Wochen vor seinemplötzlichen Tode wurde er vom Land Baden- Württemberg wegen seiner Verdien-ste als Forscher und Lehrer mit der höchsten Auszeichnung, der Verdienstmedail-le des Landes geehrt. In aller Stille wurde er im engsten Familienkreis in Rappers-wil beigesetzt.
Mit ihm ist einer der bedeutendsten Rechtshistoriker von uns gegangen. Er warwohl der letzte Inhaber eines rechtshistorischen Lehrstuhles, der sich nicht demZwang ausgesetzt sah, auch das geltende Recht mitvertreten zu müssen. Dadurchblieb ihm genügend Freiheit, um durch sorgfältige Quellenarbeit die geschichtli-che Dimension des Rechts neu zu sehen. Sie ermöglichte es ihm auch, sich mit derfranzösischen Rechtsentwicklung zu beschäftigen, die wiederholt auch Gegen-stand seiner Vorlesungen war.
Ferdinand Elsener stammte aus Rapperswil, der ehemaligen vorderöster-reichischen Stadt am Zürichsee, deren Geschichte ihn bis zuletzt beschäftigthat. Nach dem Studium der Rechte war er zunächst als Rechtsanwalt in sei-ner Vaterstadt tätig, habilitierte sich in Zürich bei K. S. Bader und wurde,verhältnismäßig spät schon, 1959 nach Tübingen auf den Lehrstuhl für Deut-sches Recht und Kirchenrecht berufen, dem er bis zu seiner Emeritierung imJahre 1978 treu blieb. Von hier aus konnte er, ausgehend von der engerenHeimat, immer neue Kapitel in der schweizerischen, später dann besondersder südwestdeutschen und gesamteuropäischen Rechtsentwicklung erforschen,wovon ein reiches literarisches Werk zeugt. Davon wird besonders die umfas-sende Darstellung über„ Die Schweizer Rechtsschulen vom 16. bis zum19. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung des Privatrechts"
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