Leopold Kretzenbacher 70 Jahre
Von Oskar Moser, Graz
Die Volkskunde in Österreich hat im Herbst dieses Jahres be-gründeten Anlaß, einer ihrer profiliertesten und bedeutendstenGelehrtenpersönlichkeiten zu gedenken. UniversitätsprofessorDoktor Leopold Kretzenbacher, emeritus Ordinarius für deut-sche und vergleichende Volkskunde an der Universität München,beging am 13. November 1982 seinen siebzigsten Geburtstag. Da-mit rundet sich ein singulares Gelehrtenleben, dessen rastloserWeg quer durch weiteste Teile unseres Kontinents geführt hatund dessen ungewöhnlicher Ertrag als Forscher wie als akademi-scher Lehrer nicht zuletzt wohl aus solcher europäischer Sicht ge-messen werden muß.
Leopold Kretzenbacher ist indessen bis heute seiner öster-reichischen Herkunft und vor allem seiner steirischen Grenzland-heimat eng verbunden geblieben, und dies nicht nur äußerlichund persönlich. Von seiner südsteirischen Heimat aus, unter demhellen herbstlichen Klang des„ Klapotetz“ gewissermaßen, öffnetsich uns der Zugang zu seinen Forschungen und Fahrten über dieGrenzzäune heutiger Staaten und vieler Sprachen hinweg, die ihnzu den Kathedralen Dalmatiens, Süditaliens und Schwedensebenso hinführten wie zu den Erben Hellas und des alten Byzanzund zu den Bildwundern der Klosterkirchen in der fernenMoldau. Freilich, der Schwerpunkt fast aller seiner wissenschaft-lichen Untersuchungen und Bemühungen lag und liegt immernoch in seiner innerösterreichischen weiteren Heimatlandschaft.Und sicher nicht zufällig kehren die meisten seiner Arbeiten auchin dieser ein, mögen sie nun von ihrem stofflichen Motiv her ih-ren Ausgang im fernen Piemont, in Altserbien oder im Bayeri-schen Wald nehmen. Diese tiefe innere und erlebnishafte Ver-bundenheit kommt nicht von ungefähr. Für Leopold Kretzen-
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