matischen Haupttitel„ El calendario y la jornada" wichtige Arbeiten in einemBand zusammenzufassen, und es scheint, daß noch weitere Bände geplant sind.Im ersten Teil werden zunächst Untersuchungen zu Erscheinungen des Volksglau-bens im Jahreskreislauf erfaßt: Weihnachten, Fasten- und Passionszeit, Ostern,Sommer, Allerseelenmonat und Jahresschluß. Der zweite Teil bringt Problemeaußerhalb des Kalenders: Grußformeln und Flüche, Gebete und religiöse Bräuchebis hin zum Engel als Wetterfahne. Ein Sachindex erleichtert die Benützung derSammlung, die so unterschiedliches Material enthält.
Bei manchen Studien ergeben sich Parallelen zur Forschungstechnik von Leo-pold Kretzenbacher: Bild und Legende werden zusammen betrachtet, einzeln undin der Gegenüberstellung gedeutet und in den historischen und ethnischen Rah-men gestellt. Das reichhaltige Bildergut des Bandes dient nicht zu einer oberfläch-lichen Illustration, sondern es erreicht eine Aussage eigener Kraft und Bedeu-tung, wenn es auch in der technischen Qualität nicht immer befriedigt. Der Über-blick über Abbildungen von Büßern schlägt den Bogen von alten Stichen überGoya bis zu Photos aus der Gegenwart, der Text dazu bemüht sich, den Hinter-grund der Bewegung der Geißler und Büßer zu deuten und aus einem einseitigen( Miẞ) verständnis zu befreien.
Im Artikel ,, Aspectos populares del purgatorio medieval“ wird nicht nur sorg-sam auf bildliche Darstellungen des Fegfeuers im Mittelalter eingegangen- etwaauf die Funktion der Brücke dabei-, darüber hinaus erfahren wir Wichtiges überden Typus der„ Misas de San Amador", der man besondere Wirksamkeit für dieArmen Seelen zugeschrieben hat. Aus der Legende des genannten Heiligen wirddiese Ansicht verständlich. An die sogenannte„ Gregorianische Messe"( bzw. denMeẞzyklus) wird an anderer Stelle erinnert.
Vieles aber führt aus dem Rahmen des offiziösen Jahresablaufes hinaus in dieprivate Sphäre, wie ein liebevolles Eingehen auf Glückwunschformeln oder aufKondolations- und Tröstungsworte. Der Brauch, Brot auf den Sarg des Verstor-benen zu legen oder am Todestag an seinem Grab Speisen zu verteilen, war imganzen Mittelmeerraum sehr verbreitet und ist sogar für Landschaften des Islambelegt. Zahlreiche Beobachtungen des Autors, die von mallorquinischen Quellenausgehen, werden von ihm darüber hinaus verfolgt.
So enthält der Band eine Fülle von Einzelmotiven, ein Mosaik des religiösenLebens auf der Insel; Volkskunst, Volkslegende und Volkslied werden an einerKette aufgereiht und zu einer geschlossenen Aussage gebracht.
Die Bibliographie am Ende des Buches zählt 184 volkskundliche Artikel vonLlompart auf; daß er daneben auch als Historiker und Kunsthistoriker publizierthat, sei nur am Rande erwähnt.
Felix Karlinger
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