Jahrgang 
85 (1982) / N.S. 36
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Der zweite Abschnitt untersucht die komplizierten Wechseleinflüsse zwischenvolkstümlichen und gelehrten Quellen und den Niederschlag innerhalb der ver-schiedenen Erscheinungsformen. Im Südosten haben sich die so gegensätzlichenWelten der Volkskultur und der Hochkultur viel stärker vermischt und gegenseitigdurchdrungen als in Mitteleuropa. So finden wir bei Gelehrten von der Ge-schichtsschreibung bis hin zur Theologie deutlichere Spuren aus dem Bereichdes Volksglaubens und andererseits in der oralen Tradition manche fast akade-misch anmutende Formulierung.

Von ganz besonderem Interesse ist der dritte Teil, der über die Rezeption derVolksbücher informiert und dabei den Schwerpunkt auf den Erotokrit" legte.Mit ins Detail gehenden Angaben vermittelt Velculescu präzise Vorstellungenüber die Nachfrage nach Volksbüchern. Dabei wird nicht nur die landschaftlicheVerteilung berücksichtigt, ebenso kommen die gesellschaftsgebundenen Gesichts-punkte zu exakten Analysen.

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Der vierte Abschnitt schließlich setzt sich mit Fragen der Edierung nach 1700-besonders aber im 19. Jahrhundert- auseinander. Hierbei steht der Fiziologul"im Mittelpunkt der Exemplifizierungen.

Ein Anhang vermittelt den Eindruck von einigen Texten( Exempeln) und eineAuswahlbibliographie schließt die Studie ab.

Es versteht sich von selbst, daß ein Werk von begrenztem Zuschnitt nur eineAuswahl bestimmter Gesichtspunkte bringen kann. Und was von der Velculescubehandelt wird, kommt zu einer Untersuchung, die mit Akribie durchgeführtwird, und ebenso ist die Objektivität der Darstellung wie die Breite der Kenntnis-se anzuerkennen.

Wünschenswert scheint, daß auch einmal eine genauere Forschung zur Überset-zung der Menäen ins Rumänische erfolgen möge, denn dort haben sich manchevolkstümliche Bilder niedergeschlagen.

In der Bibliographie fehlt unter anderem der Name Gaster, doch wollte dieAutorin offensichtlich nur eine Auswahl bringen und dabei die neueren Forschun-gen betonen.

Einer Ergänzung und Ausweitung von Velculescus Werk wäre auch ein Regi-ster zu wünschen, um das reichhaltig verarbeitete Material leichter auffinden zukönnen.

Für die Volkskunde bedeutet die bescheidene Schrift auf jeden Fall eine Fund-grube.

Felix Karlinger

Gabriel Llompart, Religiosidad popular. Folklore de Mallorca- Folklore de Eu-ropa. Miscelanea de Estudios I. Fontes Rerum Balearium, Subsidia num. 4.Palma de Mallorca, 1982. 428 S.

Es war zweifellos eine gute Idee, von den verstreut erschienenen und meistschwer zugänglichen Studien und Artikeln des heute auf dem Gebiet der religiö-sen Volkskunde in Spanien führenden Forschers Llompart unter einem the-

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