berüchtigten Typen, wie die Kynokephalen( Hundskopfmenschen), die bärtigenFrauen( mit deren Vorstellung indirekt auch die St.- Kümmernis- Legende zusam-menhängt), Hermaphroditen, gehörnte Menschen und vogelartige Schnabelmen-schen, Wald- und Wassergestalten, Faune und Satyrn.
Die zweite Gruppe erfaßt monströse Tiere, wie wir sie auch aus zahlreichenMärchen und Sagen kennen: Basilisken, Drachen, Einhörner und Schlangen. Ausbeiden Abschnitten wird ersichtlich, in welch starkem Ausmaß volkstümliche Ele-mente in der mittelalterlichen Literatur wirksam gewesen sind; wir ersehen weiterebenso: wie die orale Erzähltradition wiederum aus diesen schriftlichen Quellengespeist werden konnte.
Auffallend bleibt der breite Versuch einer Visualisierung der verschiedenstenVorstellungen im Mittelalter, demgegenüber der Bildbereich im 18. und 19. Jahr-hundert gewaltig zurücktritt. Zugleich aber erkennen wir, daß selbst die bildhafteDarstellung des Mittelalters noch die Illustration bis herauf zu den Bilderbogendes 19. Jahrhunderts beeinfluẞt hat.
Der 3. Band schließlich bringt Quellenzitate und Tafeln sowie einen Blick hin-über über die Grenze des deutschen Schrifttums.
Trotz der Breite des Werkes kann es nicht vollständig sein, doch enthält es allewichtigen Phänomene als eine„ Summa monstrorum". Der Autor hat ein gewalti-ges Stück Arbeit geleistet, auf dem manche Einzelstudien werden aufbauen kön-nen. Mancher wird freilich bedauern, daß die Ausgabe nicht in deutscher Sprachevorliegt.
Über die Literaturwissenschaft und die Volkskunde hinaus bietet das Werkauch der Religionswissenschaft und der Psychologie allerhand interessante Mate-rialien als ein Spiegel mittelalterlichen Geistes in antipodenhafter Gegenüberstel-lung zur Philosophie und Theologie.
Felix Karlinger
Cătălina Velculescu, Cărţi populare şi cultură românească. Bukarest 1982. 189 S.Die Autorin gehört zu den besten Kennern des rumänischen Volksbuches undhat sich bisher nicht nur durch eine Reihe von Studien zu diesem Thema ausge-wiesen, sondern auch als Mitherausgeberin eine zweibändige analytische Biblio-graphie des rumänischen Volksbuches besorgt, die ihren Wert unter anderemauch darin hat, daß sie nicht nur die Druckausgaben, sondern auch die sehr zahl-reichen Manuskripte der erzählenden Volksbücher umfaßt.
Die nun vorliegenden Forschungen akzentuieren vier ausgewählte Probleme:Volksbuch und seine Umsetzung in Werken der darstellenden Kunst, Problemezwischen geschriebener und erzählter Volksliteratur, soziologische Forschungenzum Leserpublikum und die Ausgabe einiger Manuskripte.
Der erste Abschnitt zerfällt in zwei Kapitel, deren eines über die Einhorn- Para-bel und das andere über symbolische Jagd im Barlaam- Komplex und in anderenQuellen berichtet. Gerade das Einhorn- Kapitel ist eine wichtige Ergänzung fürden rumänischen Bereich zu den Forschungen Kretzenbachers.( Mystische Ein-hornjagd. Deutsche und slawische Bild- und Wortzeugnisse zu einem geistlichenSinnbild- Gefüge. München 1978.)
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