Jahrgang 
85 (1982) / N.S. 36
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Hier fehlt ein Hinweis auf ein dankbares Tier, das in die gleiche Funktion ein-treten kann wie ein dankbarer Heiliger. Auch dieser Komplex hat in den verschie-denen Mischgattungen Zauber-, Tier-, Legendenmärchen sehr voneinander

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abweichende Fassungen hervorgebracht.

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Bei einzelnen der behandelten Abschnitte könnte man noch an Ergänzungendenken- so beim gestiefelten Kater" an Straparola, beim Dornröschen" anSarnelli, aber Vollständigkeit ist bei diesem Umfang nie zu erreichen. DerleiLücken wiegen auch umso geringer, als das Lexikon primär nicht dem Fachmann,sondern einem großen Kreis von Lesern dienen will, der nicht von der Volkskun-de, sondern von der Literatur her Aufschluß sucht. Das soll nun keineswegs hei-Ben, daß nicht auch der Volkskundler bei Scherf sehr viel in exakter Aufbereitungund Anordnung finden kann, das bisher in ähnlicher Weise nicht zugänglich war.Das Lexikon bildet daher eine dankenswerte Ergänzung bisher vorliegenderNachschlagemittel.

Felix Karlinger

Teréz Marosi, Tulajdonnevek a magyar népmesékben/ Eigennamen in den ungari-schen Volksmärchen. Herausg.: Lehrstuhlgruppe für Ungarische Sprachwissen-schaften der L. Eötvös- Universität. Budapest 1981. 65 S.

Das Büchlein ist nicht nur für die ungarische, sondern auch für die europäischeMärchenforschung von großer Bedeutung. Die Verfasserin stellte die in ungari-schen Volksmärchen vorkommenden Eigennamen zusammen, die zu einem be-achtlichen Teil echte Personennamen sind, z. B. Andreas, König Attila, JankóPfefferkorn, Paul Bergbeweger, Sankt Georg, Nikolaus Weltberühmte Schön. Inungarischen Volksmärchen kommen auch die Namen Gottes, Jesu und des Heili-gen Geistes als Personennamen vor. Höchst beachtenswert sind die sogenanntenMärchennamen, wie Ali Baba, Rumpfkuh, Steinbörckelner, Schwarzkönig, Ei-senkneter, Schneewittchen. Auch Abendstern, Sonne und Mond werden als Per-sonenamen gebraucht. Andere Personennamen entstanden aus Ortsnamen, z. B.Theiẞ, und gewöhnlichen Namen, z. B. Morgenrot, Wind, Weißmädchen. Auchdie in den Märchen vorkommenden Tiernamen Schwein, Pferd, Kuh, Hund, Kat-ze usw. werden aufgezählt. In den ungarischen Volksmärchen sind zahlreicheOrtsnamen( Land, Stadt, Dorf, Gewässer, Berg) bekannt. Die Helden dieserMärchen kennen also nicht nur das Weltmeer, ungarisch Operenciás- Meer, son-dern auch England, Frankreich, Deutschland, Schweden, Amerika, Wien, Parisund London. Es gibt auch Phantasienamen wie Rabenreich, Schwanreich, Fee-burg, Glasberg, Kleienreich usw. Insgesamt enthält die Arbeit von T. Marosi 1500Eigennamen, es wäre nicht besonders schwierig gewesen, sie auch in deutscherÜbertragung zu bringen; so könnte auch die internationale Märchenforschung dasBuch mühelos gebrauchen. Der nächste Schritt wäre die ethnographische und ety-mologische Erklärung der Eigennamen der ungarischen Volksmärchen.

Béla Gunda

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