Jahrgang 
85 (1982) / N.S. 36
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der Zeitstrukturen allein wohl kaum beantworten oder gar erklären lassen. Mansollte also vor einer genauen Klärung der wirklichen Abläufe und Umstände indieser Hinsicht nicht neue Thesen auf unerlaubte Verallgemeinerungen und bloßeAnnahmen aufbauen. Erst vor kurzem haben zwei unverdächtige Fachleute ausder Tschechoslowakei auf die allbekannte Tatsache hingewiesen ,.daß jedesauch noch so bescheidene Volkskunstwerk vor allem eine wichtige, außerhalb desästhetischen Bereiches liegende Funktion habe, manchmal sogar eine ganze Reiheanderer bedeutsamer Funktionen, und daß die Kunstfertigkeit oft unwillkürlichentstehe, ja oft nicht einmal vom Autor selbst besonders geschätzt werde. Beweistalso nicht gerade diese( übrigens auch in Makarovičs Buch deutlich in die Augenspringende) Tatsache... den unwiderstehlichen Drang des Volkes, eine Sehn-sucht zu stillen, anstelle, nützlicher Dinge auch bei Gegenständen des täglichenGebrauchs die übliche Norm Überschreitendes zu schaffen?" Und begründeter er-schiene mir mit jenen noch die Frage: Handelt es sich hier um eine Art Revolteder Armut( oder ist diese Revolte ein zumindest nicht ganz zu vernachlässigenderAspekt) gegen den bloßen Utilitarismus, der dieser Kunst zugedacht ist?").

Für eine erste Orientierung des Lesers begnügt sich G. Makarovič allerdingsmit einer nur sehr knapp auf vier Spalten einführenden Einleitung( S. 5-6).Ebenso versucht der Autor in knapp sechs abschließenden Spalten( S. 405-407)eine im wesentlichen doch sozial- und wirtschaftshistorische bzw. kunst- und stil-geschichtliche Summe aus dem von ihm ausgebreiteten beträchtlichen Materialzur Volkskunst in Slowenien zu ziehen. Bei dessen stofflicher Gliederung und imAufbau des Ganzen folgt er einem gleichfalls eher von der Oberfläche her be-stimmten Prinzip der Systemisierung", wobei es ihm zunächst um die äußere Ab-hängigkeit von der Architektur und Innenstruktur der Bauernhöfe sowie um dieBeziehungen zwischen dieser Art von Kunst und dem Hofleben dort geht( S. 6).Für den Autor ergeben sich daraus fünf große Sachgruppen, in denen jeweils Er-scheinungen der Außenwelt, dann solche der häuslichen Innenwelt, ferner dieVolkskunst in Verbindung mit der Arbeit und zu besonderem Gebrauch undschließlich verschiedene Gebilde bei Fest und Feiern oder besonderen Anlässenzusammengefaẞt sind. Im einzelnen behandelt er Gegenstand für Gegenstand indessen historischen und stilgeschichtlichen Entwicklungsabläufen mit Beiziehungeines sehr umfassenden und stets authentischen Bestandmateriales, dessen äuße-ren Befund er sehr gewissenhaft und exakt beschreibt und datiert.

Was nun auf diese Weise erfaßt und festgelegt wurde, beginnt bei den einzelnenBauelementen des Hauses, führt über die Hauszier und-malerei bis zu den Bie-nenbrettchen, von den Innenräumen und Raumdecken über Möbel und Hausratbis zur religiösen Volkskunst, zum verzierten Arbeitsgerät, zu Tracht undSchmuck, Andachtsbild, Kalender und Spielzeug und schließlich zu den verschie-denen Dingen des Brauchlebens und der Festgestaltung.

In dieser immerhin überschaubaren Anordnung ergibt das einen gewaltigenStoff, der hier sowohl im Gelände als auch in der bisherigen slowenischen undeiniger sonstigen Literatur mit Sorgfalt verifiziert und ausgewiesen erscheint. FürFernerstehende hätte sich freilich zur leichteren geographischen Orientierung die

6) Vgl. Véra Hasalovà und Jaroslav Vajdiš, Die Volkskunst in der Tsche-choslowakei. Artia- Prag( 1974), S. 12.

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