Attila Paládi- Kovács( Hrsg.), Traditionelle Transportmethoden in Ostmitteleuro-pa. MTA Néprajzi Kutatócsoport- Budapest 1981, 161 Seiten, Groß- 8° mitzahlr. Abb.( Fotos), Zeichnungen und Karten( als Manuskript gedruckt).Methoden und Geräte zur Lastenbeförderung sind ohne Frage ein sehr wesent-licher und zugleich vielseitiger Sachbereich des Lebens in jeder Wirtschaftsstufe.Wie Béla Gunda zum Abschluß( S. 161) sehr treffend bemerkt, haben sich andiesem Themenkreis schon moderne Künstler und Schriftsteller von Mihály Mun-kácsi bis Marc Chagall gewiß wohl nicht zufällig und immer wieder„ begeistert“.Die Volkskunde und europäische Ethnologie hat dagegen derlei Dinge eher stief-mütterlich und erst in jüngerer Zeit mit etwas mehr entsprechender Aufmerksam-keit bedacht, vermutlich weil es sich hier um Fragen und Gegenstände von beson-derer Komplexität zum einen und um solche von fast banaler Alltäglichkeit zumanderen Teil handelt.
Im Herbst 1979 hatte nun die Ungarische Akademie der Wissenschaften zusam-men mit einigen regionalen Fachinstitutionen in Nordost- Ungarn, und zwar amRákóczi- Museum in Sárospatak, zu einem Spezialsymposium über„ TraditionelleVerkehrsmittel und Transportmethoden im Raum der Karpaten und des Balkan“eingeladen. Ein Bericht darüber wurde von Attila Paládi- Kovács am Ethnogra-phischen Institut der Ungarischen Akademie der Wissenschaften in Budapest er-stellt und liegt nunmehr auch in einer international zugänglichen, vorwiegend üb-rigens deutschen Textfassung vor. Nach dessen 20 Referatstexten waren Fachleuteaus fast allen Ländern Ostmitteleuropas mit Ausnahme Jugoslawiens vertreten;von Mittel- und Westeuropa erscheint unter den Referenten nur Alexander Fen-ton( Edinburgh), mit dem allerdings eine sehr glückliche Verbindung zu ähnli-chen Bestrebungen und Unternehmen vorher in Europa etwa über den„ Land-Transport" gegeben ist*).
Aufs Ganze gesehen, ergaben diese Verhandlungen eine in dieser Dichte ver-mutlich erstmalige und dementsprechend auch für uns wichtige Bestandsaufnah-me und einen Überblick über die verschiedensten herkömmlichen Transportme-thoden und-geräte in Ostmitteleuropa, die hier beschrieben und z. T. auch ver-gleichend behandelt werden. Schon deshalb wird man diese gut ausgestatteteSammelschrift als ein großes Verdienst der Initiatoren und Veranstalter wie auchder Herausgeber betrachten, zumal sich die Beiträge durchwegs auf einem beacht-lichen wissenschaftlichen Niveau befinden, wenn sie sich auch naturgemäß bei soverschiedener Herkunft an unterschiedlichen Zielsetzungen, Aufgaben und Me-thoden orientieren. So werden also in etlichen Fällen allgemeine Gesamtübersich-ten zum Transportwesen versucht. Eine stärkere Gruppe von fünf Referaten be-schäftigt sich mit menschlichen Traggeräten und Körpertransport, mehrere Arbei-ten sind bemerkenswerterweise dem Wagen( vornehmlich in Bulgarien und Un-garn) gewidmet oder behandeln Einzelgeräte( Schulterjoch, Tragstock, Rinderjo-che, Pferdegebisse, Wagnerei). Auch der Wassertransport ist mit zwei Referatenvertreten( Treidler, Flößer). Eine leider nur kurze Zusammenfassung befaßt sichmit der interessanten Frage der„ Wege und Gehsteige in den Westkarpaten alsVerkehrsmittel des volkstümlichen Transportes"( Ludvík Baran, S. 123-125).Das erinnert an das Wort von Béla Gunda, der in seiner inhaltsreichen Einleitung
*) Vgl. A. Fenton- J. Podolák H. Rasmussen, Land Transport inEurope( Festschrift für Axel Steensberg). København 1973.
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