Hacke und Schlägel( im Gegensatz zum Schindeleisen), Reifmesser, Schindel-klemme oder Heinzelbank und das sogenannte„ Niamesser“ zur Herstellung derNut benötigt. Sehr interessant weiß die Autorin über die Leistungen eines Tage-werkes, über die Arten der Verrechnung, über die Preise und über den Transportzu berichten, der nur von wenigen durchgeführt werden konnte, die über entspre-chendes Zugvieh und über die nötigen Fahrnisse verfügten. Der Abnehmer ge-wann dadurch ein völlig anderes Bild vom Schindelmacher. Der Verkauf wardurch Mautpflicht und Absatzmarkt streng geregelt, denen man gelegentlichdurch Schmuggelfahrten zu entkommen trachtete. Historische Nachrichten undZahlenmaterial unterstreichen die wirtschaftliche Bedeutung der Schindelerzeu-gung in der Vergangenheit. Die Versuche einer Mechanisierung-- es wurden so-gar eigene Maschinen konstruiert- und die Bemühungen der Konservierung zurErstreckung der Lebensdauer eines Schindeldaches konnten aber den Siegeszugdes Hartdaches nicht aufhalten. Hand in Hand mit dieser Änderung, die H. Astausführlich beschreibt, erfolgte eine Änderung der Dachkonstruktionen, die siezueinander in Preisrelation setzt.
Der zweite Teil des Buches enthält eine Höfegeschichte von Miesenbach, dar-unter auch des Gauermannhofes. Es werden dabei Urbare, Inventurprotokolleund der Zustandsbericht nach den Türkeneinfällen von 1683 herangezogen unddaraus jeweils die entsprechende Stelle zitiert:„ Haus ist abgebrannt, der Bauerabgefangen, das Weib Glossar ::: zum Glossareintrag Weib mit 5 Kindern vorhanden; Vieh ist alles hin, Fechsung alleverwüstet". So bedrückend diese Nachrichten sind, sie sind kennzeichnend fürdieses Buch und für die Arbeiten von H. Ast, in denen stets das menschlicheSchicksal und das Arbeitsleben im Mittelpunkt der Untersuchung stehen. Die,, Niederösterreichische Volkskunde" erhält dadurch eine würdige Fortsetzung, dieallerdings nur über die Gesellschaft der Freunde Gutensteins, A- 2770 Gutenstein,bestellt werden kann.
Franz Grieshofer
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Attila Paládi- Kovács, A magyar parasztság rétgazdálkodása Praxis rusticorumHungariae in oeconomia pratorum( Die Wiesenwirtschaft der ungarischen Bau-ern). 542 Seiten, 41 Karten, 159 Abb. im Text, mit deutscher Zusammenfas-sung( S. 531-542). Budapest: Akadémiai kiadó, 1979. ISBN- 963-05-1770-1.Dieses Buch behandelt ein Thema, welches in den meisten europäischen Län-dern noch der volkskundlichen Bearbeitung bedarf, nämlich das der reinen Wie-senwirtschaft. Untersuchungsgebiet ist der ungarische Sprachraum innerhalb desKarpatenbeckens; zeitlich bilden die 2. Hälfte des 19. und die 1. Hälfte des20. Jahrhunderts- also die Epoche des Kapitalismus in Ungarn den Schwer-punkt. Bemerkens- und nachahmenswert ist, daß der Verfasser der historisch- eth-nologischen Deutung der Produktionsmittel,-techniken und-erfahrungen zwargroße, aber nicht ausschließliche Aufmerksamkeit schenkt: genauso beschäftigt ersich mit allen Fragen wie Arbeitsleistung und-lohn, Futterverkauf, Preisverhält-nissen auf dem Heumarkt.
Der Band zerfällt in zehn Hauptkapitel, die hier zumindest angedeutet werdensollen: I. Geschichte der Forschung( unter Einbeziehung auch des übrigen Euro-pa, mit zahlreichen Literaturverweisen); II. Vier Phasen der ungarischen Wiesen-
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