Jahrgang 
85 (1982) / N.S. 36
Einzelbild herunterladen
 

-

des

diesen Darstellungen spannungsfrei vollzogen hat. Zu durchaus Vertrautemöfteren wird L. Schmidts Volkskunde von Niederösterreich zum Vergleichherangezogen kommen z. B. im Beitrag Wirtschaftszweige" Informationenüber den Reisanbau im Banat, der anfangs von den Türken für die Herstellungihres Nationalgerichtes begonnen wurde und nach Perioden geringeren Erfolgesbis heute fortgeführt wird.

Ziel dieser Arbeiten ist es, daß die Banater durch das Festhalten und Übermit-teln der Kulturwerte ihren gleichwertigen Platz in der großen sozialistischen Fa-milie erkennen. Man kann nur wünschen, daß dieses Ziel von beiden Seiten an-gestrebt und verwirklicht wird.

Barbara Mersich

Hiltraud Ast, Die Schindelmacher im Land um den Schneeberg. Beiträgezur Kulturgeschichte des niederösterreichischen Viertels unter dem Wiener-wald. Hg. Gesellschaft der Freunde Gutensteins.( NiederösterreichischeVolkskunde Bd. 13). Verlag Perlach, Augsburg 1981, 192 S., 165 Abb., dazuzahlr. Zeichnungen u. Karten; öS 350,-.

Man sollte meinen, ein Schindel wäre ein kleines Holzbrettchen zum Dachdek-ken. Nach der Lektüre von H. Asts neuestem Buch sieht man die Sache jedochmit anderen Augen. Die Autorin begnügt sich nämlich nicht mit der Darstellungder Schindelerzeugung und der dazu notwendigen Geräte, sondern sie erfaßt auchdas gesamte soziale und kulturelle Umfeld der Schindelmacher. Sie öffnet damiteinen Blick in die vergehende Welt der Waldbauern" des Miesenbachtales. Dadie landwirtschaftliche Nutzung des Bodens zum Leben nicht ausreichte, warendie Menschen gezwungen, einen Nebenerwerb auszuüben. Für viele war dieSchindelerzeugung der einzige Unterhalt. Sie bot gegenüber der Holzkohlener-zeugung den Vorteil, bei relativ geringem Materialaufwand einen größtmöglichenGewinn zu erzielen. Traumwandlerische Fertigkeit und ungeheurer Fleiß bildetenfreilich eine unbedingte Voraussetzung.

Wie die Abhandlung zeigt, ist Schindel allerdings nicht gleich Schindel. Je nach-dem, ob der Schindelstock tangential(, nach dem Span") oder radial(, nach demScheit) gespalten wird, unterscheidet man Scharschindel und Nutschindel, dieeine spezielle Form darstellen und nur im Gebiet um den Schneeberg hergestelltwerden. Im alpinen Bereich sind sonst die Scharschindel gebräuchlich, die inKärnten zum Span reduziert werden und eine besonders weiche Deckung zulassen( Vgl. O. Moser, Das Bauernhaus und seine hist. Entwicklung in Kärnten). Diegeschnittenen Dachbretter bilden eine Sondergruppe. Nach der Art der Befesti-gung sind Nagelschindel( können sowohl Schar- wie Nutschindel sein) und Leg-schindel zu unterscheiden. Die Deckung hängt von der Dachneigung ab, wofür alsBegründung gleich die entsprechenden physikalischen Gesetze mitgeliefert wer-den. Es ist überhaupt erstaunlich, wie sehr die Autorin um die Technologie desHolzes Bescheid weiß, wobei sie ihr Wissen vor allem von den Gewährsleuten be-zieht. Auf diese Weise erfährt man die Kriterien bei der Holzauswahl und die dif-ferierenden Meinungen über den günstigsten Zeitpunkt des Baumschnittes.

Die Schindelerzeugung zerfällt in der Schneeberggegend in vier Arbeitsvorgän-ge: Schneiden, Spalten, Glätten und Einziehen der Nut, wozu man die Zugsäge,

314