Wer aber erahnt die tägliche Arbeitsleistung eines R. Wildhaber neben der Mu-seumsarbeit, den Sammel- und Forschungsreisen, den Vorlesungen und der eige-nen Forschung für Kataloge, wissenschaftliche Aufsätze oft so knapper Beschrän-kung auf das Wesentliche, indes andere daraus gewiß ein Buch gemacht hätten,wie z. B. aus seinen Neuland aufbrechenden Studien zur Spätmittelalter- Ikono-graphie etwa im„ Feiertagschristus“ von 1956? Hieher zählen die Herausgabe desIII. Bandes von J. Müllers ,, Sagen aus Uri"( 1945), das Gesamtregister der volks-kundlichen Zeitschriften der Schweiz( 1949), die„ Schweizer Volksmärchen“( zus.mit Leza Uffer, 1971),„ Das Sündenregister auf der Kuhhaut“( FFC 163, 1955).Wieviele Beiträge zu Festschriften gehören hieher und zuletzt noch seine eigenen„ Beiträge zur Volkskunde Graubündens“( Chur 1982). Mehr noch an Zeit-( undGedulds- Nerven-) Aufwand verlangte sein Einsatz als Alleingang- Redaktor des sosehr angesehenen„ Schweizerischen Archivs für Volkskunde“ seit 1949( auch ne-ben der ständigen Mitarbeit am Korrespondenzblatt„, Schweizer Volkskunde“ seit1951) mit der Beibehaltung des jeweils umfangreichen Rezensionsteiles bis zumTode. Wer im Fach und in unseren Nachbardisziplinen könnte je die„ Internatio-nale volkskundliche Bibliographie“ entbehren, die in wachsendem Umfange im-mer wieder Tausende von Einzelheiten so vieler Nationen zusammengetragenWildhabers Arbeitskraft und Organisationstalent zwischen 1942 und 1974 reprä-sentiert? Aus ihr und aus Wildhabers Besprechungen von Einzelwerken, ja zahllo-sen Aufsätzen vieler europäischer und angelsächsischer wie lateinamerikanischerForscher haben wir besonders in den Jahrzehnten des Abgeschnittenseins von derfremdsprachigen Forschung den ersten Überblick gewonnen. Es sind die oft nurknapp, aber immer das Wesentliche treffenden Beurteilungen Wildhabers, dieden Einzelforschern, ja auch den Instituten und den Bibliotheken zu Wegweisernwurden, noch ehe etwa unsere„ Österreichische Zeitschrift für Volkskunde" diegleiche Funktion im Erfassen des international Geleisteten und im Beurteilen füreine breite Fach- Leserschaft das erreichen konnte, was nun einmal in die gottlobkriegsverschonte Schweiz früher und reichhaltiger hatte einströmen können, nichtzuletzt eben weil die Persönlichkeit eines R. Wildhaber dafür die Bürgschaft gab.Hier aber habe ich ganz besonders zu danken für eine bis zum Tode währende,schenkende Freundschaft.
Vielleicht darf ich hier im wehmütigen Nachruf auf einen wirklichen Freund,mit dem ich viel gewandert war: in Graubünden und im Baselgebiet; im Elsaß undin der Steiermark; in Bayern wie vor allem in Oberitalien und in Jugoslawien, aufden dalmatinischen Inseln bei deren Fischern wie bei den kroatischen Goldwä-schern am Unterlauf von Mur und Drau, etwas einflechten, was man nicht überallgerne lesen wird. Noch 1959 erzählte mir Richard Weiß auf einer Graubünden-Wanderung, wie oft man sich„ höherenorts“ beunruhigt an ihn gewendet habe, obes wohl mit R. Wildhaber und seinen„ ungehemmten, ja forciert dichten Bezie-hungen zu den Ostblockstaaten und zu Jugoslawien" noch seine„ politisch vertret-bare Richtigkeit“ habe... Nun, es waren immer Beziehungen zu Freunden,Fachkollegen, auch in Albanien, das er als früher Staatsgast zu wissenschaftlicherZusammenarbeit besuchen hatte dürfen, nicht also zu„ Staaten“ und Polit- Organi-sationen. Aber im letzten, kurz vor dem Tode in der Klinik zu Basel am 13. Julian mich geschriebenen Freundesbrief steht zu lesen:„ In der Tschechoslowakei beider Preisverleihung sind wieder einige unverständliche, unterschwellige Dingepassiert, über die ich dann unterschiedliche, nicht kontrollierbare Versionen ge-
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