Jahrgang 
85 (1982) / N.S. 36
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Tiere an heiliger Stätte

Von Leopold Kretzenbacher

( mit 2 Abbildungen)

Über Tiere und Tiersymbolik, über den Tierstil einer in man-chen Kulturräumen und Zeiten auch magisch intendierten Kunst,über Tieropfer, Tiersegnungen u. ä. gibt es reiche Literatur inder Volkskunde, in der Völkerkunde, in der Religionswissen-schaft und auch sonst. Die von mancherlei physisch- psychischenFaktoren bedingte, je nach der Weltanschauung von Gruppenund Individuen verschiedenartig beurteilte Nähe von Mensch undTier ist ja im Grunde genommen auch in unserem sogenanntenindustriellen, d. h. vorwiegend landlebenfernen Zeitalter auchfür den Menschen in städtischen Villen, Wohnbunkern, Hoch-häusern nicht gänzlich geschwunden. Sie läßt diesen Menschenunserer Zeit trotz mancher Wohnbeengtheit leben mit Kanarien-vögeln und Katzen, mit Meerschweinchen und Hunden, mit viel-erlei Fischen in kleinen Aquarien. Der sonntägliche Tiergarten-besuch ist denn auch nicht nur Bildungsleistung, sondern dochwohl auch emotionelles Bedürfnis, im Zoo jene Tier- Mensch- Nä-he, im Streichel- Zoo das unmittelbar Verbindende, doch insge-samt auch die Dämonie des uns Verwandten noch stärker zu erle-ben. Dem tragen heute offenkundig auch manche TheologenRechnung, wenn sie zwar dem Tier nicht eine unserer anima ver-wandte Seele zusprechen können oder dürfen, wenn sie dasTier aber dennoch als Die unbeweinte Kreatur in ihre Refle-xionen einbeziehen.¹) So darf man denn aus so manchem Wan-dererlebnis allein oder mit den Studenten heraus zumindest dieFrage nach den Tieren an heiliger Stätte" über das Parallelerleb-nis der aufblühenden Märchengärten hinaus stellen im Zusam-menhang mit Legende und Bild, mit Wallfahrt und Tiergärten imBereich einer Gegenwartsvolkskunde mit Historie- Rückblicken.

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