Kinderschreckgestalten des Waldesim Vogtland und Umkreis
Von Gerda Grober- Glück
Anknüpfend an die großräumige Untersuchung der Kinder-schreckgestalten von Richard Beit¹¹) reizte es mich, das Themaunter Berücksichtigung späterer Arbeiten in einer Mikroanalyseaufzugreifen, die sich mit wenigen Kartenfeldern der ADV-Fr. 125 auf meine vogtländische Heimat beschränkt²) und zudemnur die Kinderschreckgestalten des Waldes behandelt, eine Aus-wahl, die im Waldreichtum dieses Gebietes begründet ist undAusbeute versprach.³) Die Aufmerksamkeit galt dabei nicht derräumlichen Verteilung, sondern der Gliederung der Kinder-schreckgestalten nach sachlich- inhaltlichen Gesichtspunkten unddaran anknüpfenden Überlegungen.
1. Unter den traditionellen Sagengestalten stellen dieGeister, die im Wald leben und auch danach benannt werden,den größten Anteil. An der Spitze stehen, der Sagenüberliefe-rung entsprechend, weibliche Gestalten: die Holzweibel undHolzfräulein( zs. 21 Belege), Moosweiblein( 5 B.), Waldfräulein( 2 B.) und die Buschmutter( 1 B.) 4). Ihnen verwandt sind dieHeidweibls)( 1 B.), die Hainrosel( mdal. Hārēsel; 1 B.) und dieMa( r) zipilla( 3 B.), die als Waldweiblein charakterisiert wird. Inder Beschreibung gibt es kaum Unterschiede: es sind alte, ver-hutzelte, runzlige Weiblein oder Frauen, häßlich, bucklig, auchhexenartig, oft mit Stock und Huckelkorb, von denen den Kin-dern gesagt wird, daß sie kommen oder sie holen. Die in den Sa-gen belegte Gutartigkeit gerade der weiblichen Waldgeister wirdin diesem Zusammenhang unterschlagen. An männlichen Ent-sprechungen dieser in der Regel paarig und in Sippen lebendenGestalten) begegnen die Holzmännle( 5 B.) bzw. der Holzmann
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