Jahrgang 
85 (1982) / N.S. 36
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Werner Endres, Veit Loers, Spätmittelalterliche Keramik aus Regens-burg, Neufunde in Prebrunn. 8°. 126 Seiten mit 49 Abbildungen im Text und29 Tafeln. Buchverlag der Mittelbayerischen Zeitung, Regensburg 1981.

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Durch R. Christlein erfährt man im Vorwort, daß 1981 an der Bamberger Uni-versität ein Lehrstuhl für Mittelalter- Archäologie errichtet worden ist. Nachdemschon Jahre vorher die Landesdenkmäler von Baden- Württemberg und Bayern ei-gene Referate für diese Forschungen eingerichtet hatten und die Mittelalter- Ar-chäologie in Wien sogar akademiewürdig geworden ist, stellt dieser Schritt derBayerischen Hochschulverwaltung zweifellos einen ungeheuren Erfolg einer For-schungsrichtung dar, der bislang etwas Dilettantisches anzuhaften schien. Das istdurchaus verständlich, weil ja die überwiegende Menge an Fundbergungen vonLaien erfolgte und daneben eine fachliche Betreuung kaum üblich gewesen ist.Für Österreich darf allerdings gesagt werden, daß bereits 1925 Oswald Menghin inseiner damaligen Eigenschaft als Beamter am. Landesmuseum in dem anläẞ-lich der Neuaufstellung herausgegebenen Führer einen sehr brauchbaren Über-blick über die mittelalterliche Keramik von Niederösterreich geboten hat und daßdann allerdings wesentlich später durch E. Beninger und H. Steininger schö-ne weitere Erfolge auf diesem Gebiet erzielt wurden. In Bayern hat dann dasdurch P. Stieber gegründete Hafner- Archiv von der Neuzeit auch in den vorher-gehenden Zeitraum zurückgegriffen. Dem Kreis um das Hafner- Archiv gehörtauch W. Endres an, der durch seine früheren Veröffentlichungen wesentliche Bei-träge zur mittelalterlichen Keramologie seines bayerischen Arbeitsbereiches vor-gelegt hat. Sein Koautor V. Loers ist Regensburger Musealfachmann und vondieser Seite her mit derartigen Fragen vertraut. So ist denn auch eine Veröffentli-chung zustandegekommen, die ihrer wissenschaftlichen Bedeutung nach weit überdas engere Regensburger Gebiet hinausreicht und so die Basis für weiteregleichartige oder ähnliche Veröffentlichungen sein wird. Das von den beiden Ge-nannten behandelte Fundgut stammt von zwei Fundstellen in dem südlich der Do-nau gelegenen Hafnerort Prebrunn; die eine ist eine kleine, kellerartige Anlagemit zahlreichen Fehlbränden, die entweder ganz oder in großen Bruchstücken er-halten sind. Diese gestatten es, einen richtigen Formenkatalog für die Ware des14./15. Jahrhunderts zusammenzustellen. Demgegenüber ist die zweite Fundstelleam Donau- Ufer formenmäßig weniger aufschlußreich, da es sich vorwiegend umBruchmaterial handelt. Aber dieses ist doch so weit geeignet, für chronologischeZwecke verwendet zu werden, so daß eine Zuordnung zum 15./16. Jahrhundertabgeleitet werden kann. Für die im österreichischen Voralpenland nachgewiese-nen Keramikformen aufschlußreich ist eine zwar im allgemeinen gleichartigeGrundhaltung, die jedoch durch typische Abwandlungen ein deutliches Lokal-kolorit erhält. So sind Töpfe des 14./15. Jahrhunderts mit einer konischen Grund-form, etwa wie die Formen Nr. 140-144 der Veröffentlichung, in unserem Be-reich völlig ungeläufig. Es wird aber noch weiteren Materials bedürfen, um ent-scheiden zu können, ob diese Topfform eine in Niederbayern allgemeine Erschei-nung ist oder ob es sich bei ihr um eine typische Prebrunner Abart handelt. Daẞman keramische Formen, wie besonders Töpfe, an Hand ihrer Ausfertigung undGestalt bestimmten Töpfereibereichen zuordnen kann, ersieht man u. a. an denPassauer Krempenrandgefäßen mit ihrem fast zylindrischen Körper. Im übrigenist der von den beiden Verfassern verwendete( und in einem, dem Text beigege-benen Glossar näher erläuterte) Terminus m. E. eine gute und brauchbare Be-

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