seien. Allerdings gehörten zu dieser vorgotischen Bauweise nicht nur die vonCharles aufgezählten Eigenarten des Gefüges, wie Fußrähm, Bodenstreben undVerblattungen, sondern auch die von ihm rekonstruierten Sparrenjoche selbst, diekeine Vollgespärre im Dreieckverband mit Bundträmen, d. h. keine„ echtenSparren sind, sondern Scherhölzer ohne Basisverbindung, ganz ähnlich den vonmir als„ Schersparren“ bezeichneten rezenten Dachgerüsten im karantanischenKernraum der Ostalpenländer. Aus dieser Sicht werden die Untersuchungen vonF. W. B. Charles am englischen Material aus dem Hochmittelalter für die verglei-chende europäische Hausforschung sicher von Interesse bleiben.
Ein weiterer Beitrag von Linda J. Hall beschäftigt sich mit fünf verschiedenenländlichen Dachgerüst- Typen in der westenglischen Landschaft zwischen Bristolund Gloucester, die sowohl im Firstgefüge wie auch in den durchgezapften Pfet-ten bemerkenswerte Details aufweisen und zwischen dem 15. und 18. Jahrhundertdatiert sind( S. 12.55-12.60). Und ebenso hat Barbara Hutton in über 60 Bei-spielen Balkenverbindungen(„ scarf- joints") aus der Grafschaft Yorkshire zusam-mengestellt, die sie in sechs Grundformen einteilt und zeitlich zwischen 1181 und1700 einordnet, ein treffliches Beispiel übrigens für den hohen Stand der Gefüge-forschung und zugleich ein Muster für den weiteren Ausbau solcher Detailfor-schungen in England( S. 12.30-12.37). Daneben finden wir hier Untersuchungenüber die Herstellung von Mauerziegeln vom 16. bis 18. Jahrhundert von DavidWhitehead und Maurice Exwood, die ja neuerdings für die historische Hausfor-schung auch zunehmend an Bedeutung gewinnen. Damit gewährt VernacularArchitecture einen aufschlußreichen Querschnitt durch die vielseitigen Bemühun-gen dieser englischen Forschergruppe gleichen Namens und bietet zugleich wert-volles Vergleichsmaterial für die Hausforschung auch in Kontinentaleuropa.
Oskar Moser, Graz
Johannes Ressel, Kirchen und Kapellen, religiöse Gedenksäulen undWegzeichen in Baden bei Wien. Ein Beitrag zur Geschichte, Heimatkundeund Kunstgeschichte. Verlag G. Grasl, Baden 1981, 182 S., Abb. im Text, Ab-bildungsnachweis, Quellenverzeichnis, Anmerkungen.
Professor Viktor Wallner, Bürgermeister der Stadt Baden, stellt in seinem Vor-wort zum vorliegenden Buch fest, daß es eine Lücke schließt:„ im Sachlichen,weil es den kirchlichen Bereich kunsthistorisch abdeckt, im zeitlichen Umfang,weil es eine Gesamtdarstellung bis in die Gegenwart bringt, und im Inhalt, weil esden Anforderungen der Geschichtsforschung entspricht, die Grenze des Beweis-baren aufzuzeigen".
Von unserer Seite, der Volkskunde her, kann man in bezug auf das genannteBuch eigentlich Gleiches sagen. Das Aufzeigen der Funktionen vieler geschilder-ter Objekte bringt das Grundsätzliche der Volkskundewissenschaft zum Tragen.Gelten hier doch nicht allein Form und historische Dimension als Kriterium derwissenschaftlichen Relevanz, sondern eben die Bedeutung für menschliches Han-deln oder anders gesagt: die Einbettung in die überlieferten Ordnungen.
Immer wieder greift der Verfasser in das Füllhorn seines großen Wissens undläßt neben den historischen, kunstgeschichtlichen und heimatkundlichen Dimen-
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