Jahrgang 
85 (1982) / N.S. 36
Einzelbild herunterladen
 

Unter der Obhut der überaus rührigen Gesellschaft Folklore Comtois" und desMusée Populaire Comtois auf der Zitadelle von Besançon haben die drei Verfas-ser mit diesem mächtigen Band den Bauernhäusern des französischen Hochjuraein großartiges Denkmal geschaffen. Ihr Ziel umschreiben sie etwa so: Nous ten-tons de faire une analyse des hommes et de leur vie autour et dans la maison"( S. 371). Sie erreichen es auch, indem sie in 20jähriger Arbeit von Le Clos duDoubs bei Saint- Hippolyte im Norden bis La Pesse bei Bouchoux im Süden aufeiner Strecke von etwa 150 km Distanz alle bemerkenswerten Hausbauten erfaẞ-ten und sie nun hier beschreiben bzw. zeichnerisch bis in alle Details darstellen.Sie betrachten dabei jedes Haus mit seinen Bewohnern und Vorbesitzern als selb-ständiges Individuum, indem sie deren Angaben und Erzählungen, Wirtschafts-und Lebensweise ebenso einarbeiten, wie sie die ältere und neuere Literatur dazujeweils heranziehen und auch die örtliche Topographie, die Flur- und Siedlungs-form mitberücksichtigen. Das Ergebnis ist ein umfassendes, in sechs Regionen un-tergliedertes Korpus, das sich dazu wie ein spannender Reiseroman liest und dasdennoch mit seiner hervorragenden zeichnerischen Bildausstattung, die stetsGrundrisse, Aufrisse, Ansichten und Schnitte von jedem Objekt bietet, auchhausbaukundlich alle wesentlichen Informationen und Dokumentationen enthält.Dabei scheint mir sein Vorzug darin zu liegen, daß jeweils auch alle Besonderhei-ten, angefangen vom Hausdekor und den Inschriften über konstruktive Details,Möbel, Beschläge und Geräte bis zur örtlichen Nomenklatur, aufgenommen er-scheinen. Es mag wohl dem starken Individualismus der Franzosen entsprechen,daß man sich dabei stets hütet,... de généraliser et de conclure( S. 68). Manwill vielmehr Beispiele darbieten, aber den Leser nicht mit Typologien irritie-ren oder verunsichern.

Der Ertrag ist beeindruckend. Dies gilt zunächst vor allem für die Hausland-schaft des französischen Hochjura, hart an der Ostgrenze der beiden Départe-ments Besançon und Lons- Le- Saunier, unmittelbar entlang der Schweizer West-grenze, als Ganzes. Hier finden wir gewaltige, breitgiebelige Hausbauten als Ein-höfe meist in Streulage oder lockeren Gruppen, die mit ihrem étouffoir oder,, tué aus einem mittelalterlichen urtümlichen Wohnstallhaus hervorgegangen seinmüssen. Die Verwandtschaft mit den Heidenhäusern Glossar ::: zum Glossareintrag  Heidenhäusern des Schwarzwaldes, denHochstudhäusern des schweizerischen Mittellandes, ja selbst mit den Rauchhäu-sern unseres Mondseelandes liegt nahe. Es sind durchwegs zweigeschossige, vonschweren Steinmauern umschlossene Ständergerüstbauten mit flachgeneigtenStänderpfettendächern, deren Wohnkern aus einer einst umfassenden und jetztnoch immer zentral in der Mitte des Wohnteiles liegenden Rauchküche mit Herd-stelle besteht. Dieser Hauptraum tritt in den Jura- Häusern in drei verschiedenenAltformen auf: im nördlichen schweizerischen Jura als cuisine à voûte/ vote",d. h. als Rauchküche mit Steingewölbe samt Rauchöffnung zu einem besonderenTrockenboden darüber, dem séchoir; ferner als jüngere Rauchküche mit über-höhter Decke( à plafond élevé"); im französischen Jura aber vor allem als Trich-terküche mit dem sogenannten Burgunderkamin, einem aus Brettern gefügten,die ganze Rauchküche überdeckenden, pyramidenförmigen, mächtigen Aufbau,der als Trichter den Rauch der Feuerstätten über das Dach hinausführt und zu-gleich als Lichtöffnung dient und der wegen seiner Weite mit zwei Deckelklappenvon der Küche aus mittels Stangen verschlossen werden kann. Auf Seite 145 hatJean Garneret diese typische Einrichtung des älteren Hauses im französischen Ju-

146